"Man war immer davongekommen - bis zum 1. März 1945, als kurz vor Kriegsende doch noch ein Bombenhagel auf Göppingen niederging." So erinnerte die NWZ im Jahr 1970 an die Tragödie, die damals 25 Jahre zurücklag. Es klingt noch der Ton des Augenzeugen in diesem Bericht durch. 25 Jahre danach war das Grauen noch nicht zur Historie geronnen, viele Göppinger hatten die Katastrophe noch erlebt, als der Krieg auf eine Bevölkerung traf, die schon abgestumpft war von Fliegeralarmen und diese nicht mehr ernst nahm.

Dabei waren die Deutschen zuvor jahrelang generalstabsmäßig auf einen Luftkrieg vorbereitet worden. "Jedes Haus luftschutzbereit!" - das hatte Reichsminister Hermann Göhring 1939 als Motto ausgegeben, vier Monate vor dem Überfall auf Polen. Bereits im Oktober '33 wurden in Göppingen Hausbesitzer darüber informiert, wie man den eigenen Keller am besten zum Luftschutzraum ausbaut oder wie Brandbomben zu löschen sind. Der Luftkrieg war in den Köpfen der Göppinger, lange bevor die ersten Bomben fielen.

Doch nach vier Jahren Bombenkrieg war Göppingen noch immer weitgehend heil geblieben. "Man hatte sich an die täglichen Alarme gewöhnt", schrieb der NWZ-Chronist 1970. "Die Schutzräume waren deshalb auch an jenem 1. März nur von wenigen Menschen aufgesucht worden." Vom Himmel fielen 400 Bomben, schwere Spreng- und Brandbomben. Sie detonierten in einem breiten Gürtel über der Nordstadt, rissen 293 Menschen in den Tod, zerstörten 212 Gebäude.

Und doch hätte es noch schlimmer kommen können. Nur ein Teil der Bomberflotte, die auf Göppingen gerichtet war, flog wirklich hierher. Das war die Bombergruppe 457 mit 35 Flugzeugen. Die weit größere Bombergruppe 351 mit 71 Maschinen des Typs B-17 drehte ab und flog stattdessen Heilbronn an. Grund: An jenem 1. März lag eine geschlossene Wolkendecke über Göppingen, und dieser Umstand behinderte auch die "Mission" der Bomber über Göppingen. Sie verfehlten nämlich ihr anvisiertes Ziel, den Göppinger Verschiebebahnhof und das umliegende Industriegebiet.