Museum Lösung für Technikforum in Sicht

So sollen die Boehringer-Garagen mit großzügigeren Toren umgebaut werden. Dahinter könnte das Technikforum seine historischen Maschinen zeigen.
So sollen die Boehringer-Garagen mit großzügigeren Toren umgebaut werden. Dahinter könnte das Technikforum seine historischen Maschinen zeigen. © Foto: technikforum
Göppingen. / Arnd Woletz 14.07.2018

Die Konfrontation zwischen dem Göppinger Technikforum und Oberbürgermeister Guido Till scheint sich zu legen. In den vergangenen Jahren hatte es gehörig geknirscht, weil Till dem Technikforum und dessen Idee, in der Alten Gießerei auf dem Boehringer-Areal ein Museum für Industriegeschichte  samt „Handwerkergasse“ zu etablieren, immer wieder die kalte Schulter zeigte.

In einem Gespräch zwischen dem neuen Vereinsvorstand und der Rathausspitze, an dem unter anderem auch die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats teilnahmen, deutete sich nun eine Kompromisslösung an. Demnach soll dem Technikforum für seine Sammlung historischer Maschinen deutlich mehr Platz in dem weitgehend denkmalgeschützten Areal angeboten werden: Statt wie bisher 340 Quadratmeter sollen es  fast 600  sein. Die  Fassade  des bisherigen Standorts der Sammlung soll ein transparenteres Erscheinungsbild mit größeren Toren  und gläsernem Eingangsbereich bekommen. Ein für Events geeigneter Außenbereich soll hinzu kommen.  Außerdem habe Guido Till dem Verein die Unterstützung  bei der modernen Gestaltung der Ausstellung angeboten, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

Die Sammlung historischer Maschinen wird von den ehrenamtlichen „Garagenschraubern“ des Technikforums seit Jahren liebevoll gepflegt und gelegentlich öffentlich gezeigt. Die Anlagen stehen aber  eng gedrängt und ohne Schutzvorkehrungen nebeneinander. Künftig sollen die Exponate  sicher vorgeführt werden können. Auch die mediale Aufbereitung sowie eine lebendige und ansprechende Präsentation sei eine drängende Aufgabe, so der OB laut der Mitteilung. In der Vergangenheit hatte Till wenig Begeisterung gezeigt, nun sagte er: „Wir wollen den Weg in die Zukunft der Boehringer-Maschinensammlung gemeinsam gehen.“ Die Sammlung spiegele ein wichtiges  Kapitel der örtlichen Industriegeschichte wider. Viele Familien hätten über Generationen Arbeit bei Boehringer gefunden. „Dadurch ist eine besondere Bindung zwischen den Göppingern und dem Unternehmen gewachsen“, so der Rathauschef, der ausdrücklich das Engagement des Vereins lobte.

Martin Maier, Chef der Businesspark Göppingen, die das Boehringer-Areal vermarktet, sieht zusammen mit dem gegenüber liegenden „Märklineum“ einen wichtigen Zielpunkt entlang der Route der Industriekultur.  Stadtarchivar Karl-Heinz Rueß meinte: „Hier können wir Geschichte  authentisch erzählen“. Boehringer-Maschinen auf dem Boehringer-Gelände zu zeigen habe besonderen Charme.

Das Angebot der Stadt sei „ein erster toller Schritt“.  Für diese erste Zusage der Stadt sei er dankbar, sagte Professor Thomas Stocker für das Technikforum. Das sei eine gute Basis für weitere Überlegungen. In der Diskussion ist beispielsweise, ob man die Räume im ersten Obergeschoss dazu nehmen könnte. Außerdem werde sich der Verein zur Museumspädagogik beraten lassen. Auch Stocker sieht als entscheidend an, wie ein Betrieb der Technik-Schau aussehen könnte. Till hatte darauf hingewiesen, dass Museen häufig an laufenden Betriebskosten scheitern. Er plädierte deshalb für ein möglichst personalarmes Konzept. Das ehrenamtliche Engagement des Technikforums sei unerlässlich. Angeregt wurde auch ein moderner Name. Thomas Stocker stimmt zu: „Wir wollen ja nichts Angestaubtes präsentieren“. Und: „Das Märklin-Museum heißt ja auch nicht mehr Museum.“

Christoph Weber, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, die gestern auf die Gespräche reagierten, sagte: „Die Grünen begrüßen es, dass die Stadtverwaltung 40 Jahre nach Gründung des Fördervereins in Gespräche mit dem Technikforum eintritt. Entscheidend wird es sein, gemeinsam ein Betriebskonzept zu entwickeln, um die guten Ideen der Ingenieure mit Leben zu erfüllen und finanzierbar zu machen.“

Alte Gießerei nichts für Kultur und Messen

Die Alte Gießerei ist nach den jetzt geführten Gesprächen als Industriemuseum vom Tisch, sagte Thomas Stocker. Der Gemeinderat sei davon nicht überzeugt gewesen. Die Gießerei stehe wohl auch nicht mehr zur Verfügung.

Als Messe-Schauplatz und damit als Ersatz für die an die Firma Kleemann verkaufte Werfthalle – eine Idee von OB Till – kommt die Gießerei aber wohl auch nicht mehr in Frage. Ebenso ist eine kulturelle Nutzung nicht mehr vorgesehen, sondern sie soll nach Informationen der NWZ wieder industriell genutzt werden.

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