Göppingen Lieben Sie Brahms?

Das Sinfonieorchester Wuppertal spielte zwei der beliebtesten Werke des Komponisten Johannes Brahms am Dienstagabend in der Göppinger Stadthalle - das Violinkonzert in D-Dur op. 77 und die zweite Symphonie in der gleichen Tonlage.
Das Sinfonieorchester Wuppertal spielte zwei der beliebtesten Werke des Komponisten Johannes Brahms am Dienstagabend in der Göppinger Stadthalle - das Violinkonzert in D-Dur op. 77 und die zweite Symphonie in der gleichen Tonlage. © Foto: Staufenpress
Göppingen / HANS HERDEG 30.04.2015
Die das Geschehen in Françoise Sagans gleichnamigem Roman befördernde Frage "Lieben Sie Brahms?" hätten die Besucher des Konzerts mit dem Sinfonieorchester Wuppertal mit einem überzeugten Ja beantwortet.

Und das nicht nur, weil am Dienstagabend das Ensemble mit zweien der schönsten und beliebtesten Werke des Komponisten in der Stadthalle gastierte, mit dem Violinkonzert in D-Dur op. 77 und mit der in der nämlichen Tonart stehenden zweiten Symphonie - beide in glücklichen Stimmungen während Sommeraufenthalten am Wörthersee verfasst und die damalige ländliche Idylle dieser Landschaft widerspiegelnd - sondern auch, weil sich das Orchester nicht allein als ein Klangkörper mit großer Tradition vorstellte, die sich mit den Namen so bedeutender Dirigenten wie Erich Kleiber oder Otto Klemperer verbindet, sondern weil es sich vielmehr als ein Orchester von überraschenden Qualitäten entdeckte, die eine über die Rhein-Ruhr-Region hinausreichende Wertschätzung erfahren sollten.

Unter der bisweilen etwas eigenwilligen, doch stets höchst engagierten Stabführung seines Chefdirigenten und künstlerischen Leiters Toshiyuki Kamioka, der sich jeder Orchestersektion mit befeuernder Hingabe widmete, um auch dem kleinsten instrumentalen Detail tönende Plastizität und klingenden Eigenwert zu verleihen, demonstrierte das Ensemble mit größter Orchesterdisziplin spielerische Präzision und meist feinnervige Klangsensibilität, die es in die Lage versetzte, die vorzugsweise pastoralen Stimmungen beider Werke wie auch unvermittelte atmosphärische Eintrübungen überzeugend in Szene zu setzen, ob nun in weit ausholenden Steigerungen oder in plötzlichen dramatischen Ausbrüchen. Dass ob solcher mit instrumentaler Genauigkeit sich verbindender Detailverliebtheit, welche dennoch die großrahmige Architektur der Musik ins rechte Licht rückte, sowohl dem Orchester wie seinem Dirigenten dann und wann Teilaspekte des großen Ganzen etwas aus dem Blickfeld gerieten, etwa die Homogenität des Klangbilds, das über weite Strecken von den meist mit höchster Intensität aufspielenden ersten Violinen dominiert wurde, konnte man bei der allgemeinen Güte der Wiedergaben durchaus verschmerzen, war diese doch bereits in der Darstellung des Orchesterparts des an den Anfang des Programms gerückten Violinkonzerts auf eindrückliche Weise hörbar geworden, zumal sich Dirigent, Orchester und Solist, der junge ukrainische Geiger Valeriy Sokolov, in der Ausdeutung des Werks in bezwingender Einmütigkeit zusammenfanden, um dieses "Konzert gegen die Violine", wie die Komposition schon bald nach ihrer Uraufführung von Joseph Joachim, dem Widmungsträger, genannt wurde, im Sinne des Komponisten in enger Verzahnung von Orchestersatz und Solopart, den Sokolov, um seiner vollmundigen Tongebung Leichtigkeit zu verleihen, mit spielerischer Brillanz ausstattete, zu gestalten. Begeisterter Beifall für Sokolov, Kamioka und die Wuppertaler Sinfoniker, die sich mit einem von Brahms' Ungarischen Tänzen temperamentvoll bedankten.

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