Kreis Göppingen LEITARTIKEL zu Strom: Rechnung mit vielen Unbekannten

Kreis Göppingen / ARND WOLETZ 10.08.2012
Wer auf dem Energiemarkt unterwegs ist, braucht gute Nerven. Das gilt auch für regionale Anbieter wie die Energieversorgung Filstal (EVF), die mit ihrer guten Kundenbindung und als verlässlicher Dienstleister punkten kann.

Wer erfolgreich sein will, muss aber das Rechnen mit sehr vielen Unbekannten beherrschen. Ständig dreht der Wind. Wie schwierig eine verlässliche Planung ist und wie schnell bei einzelnen Quellen der Saft ausgehen kann, zeigen gleich mehrere geplatzte Wunschprojekte, an denen die EVF beteiligt war: Im November wurde bei der als Leuchtturm-Projekt gefeierten Technologieplattform in Geislingen-Türkheim das Licht ausgeknipst. Die zuerst hochgelobte Anlage, mit der die EVF dort aus Biomasse Energie gewinnen wollte, ging nach jahrelanger Planung sang- und klanglos unter, nachdem sich die Holzpreise deutlich erhöht hatten.

Kürzlich wurde auch am geplanten Kohle-Kraftwerk von 61 Vertragspartnern in Brunsbüttel der Stecker gezogen. Auch dafür musste der Anbieter aus dem Kreis, der sich einen Stromanteil von zehn Megawatt versprochen hatte, wieder 200 000 Euro abschreiben – für nichts. Diesmal war politischer Gegenwind, gepaart mit mangelnder Wirtschaftlichkeit, ausschlaggebend.

Selbst die verwirklichten Vorzeigeprojekte wie der kommunale Solarpark in Wäschenbeuren können nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein – und sie können das Problem der Grundlastversorgung nicht lösen.

Kein Wunder, dass die EVF sich jetzt nach neuen Quellen umsieht. Das ist auch dann richtig, wenn das Gas- und Dampfkraftwerk in Krefeld sich wieder als ein Schlag ins Wasser erweisen sollte.

Die regionalen Versorger kämpfen auch an einer zweiten Front: den zuweilen zähen Verhandlungen über Netze und Konzessionen. Die Energiewende macht das alles eher schwieriger als einfacher. Einer der von der Politik vorgegebenen Wege wäre der stärkere Einsatz von Windkraftanlagen auch im Landkreis Göppingen. Doch in der Region, die ohnehin nur schwache Windwerte aufweist, kursiert das Schreckenszenario von hoch aufragenden Windrotoren, die das Landschaftsbild ruinieren und Vögel zerstückeln. Der Bevölkerung lassen sich solche Anlagen nur schwer vermitteln. Weitere heftige Diskussionen sind da programmiert – man mag hoffen, dass Befürworter und Gegner der Windkraft diese Debatte sachlich führen.

Es ist also noch ein langer Weg, bis die Energiewende auch im Kreis Göppingen umgesetzt ist.

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