Göppingen LEITARTIKEL LANDTAGSWAHL: Politischer Erdrutsch

Göppingen / HELGE THIELE 14.03.2016
Donnerschlag im Landkreis Göppingen: CDU und SPD wurden von den Wählern massiv zurechtgestutzt. Die Christdemokraten werden in den kommenden Tagen und Wochen viel damit zu tun haben, ihre Wunden zu lecken.

Im Wahlkreis Göppingen verlor die CDU ihr Direktmandat und musste den Grünen den Sieg überlassen. Dem historischen Erfolg des Göppinger Grünen-Stadtrats Alexander Maier, der von der Basis wegen der parteiinternen Pattsituation per Losentscheid zum Kandidaten gekürt worden war, steht die krachende Niederlage des CDU-Bewerbers Simon Weißenfels gegenüber, der mit seinem Ergebnis noch unter dem ohnehin schon miserablen Landesergebnis seiner Partei lag.

Dass Nicole Razavi im Wahlkreis Geislingen ihr Direktmandat verteidigen konnte, ist ein kleines Trostpflaster für die CDU. Doch auch im Filstal müssen die fassungslosen Christdemokraten zur Kenntnis nehmen, dass sie viele Menschen nicht mehr erreichen, die früher wie selbstverständlich ihr Kreuz bei der CDU gemacht haben. Natürlich litt die Partei auch im Landkreis Göppingen unter ihrem erschreckend schwachen Spitzenkandidaten Guido Wolf, von dem sich Razavi im Wahlkampf allerdings begeistert gezeigt hatte.

Doch viele bisherige Anhänger kehrten der Partei den Rücken, vor allem – aber nicht nur – wegen des unseligen Zickzack-Kurses der Landes-CDU in der Flüchtlingsfrage. Manche wählten stattdessen entweder den erklärten Merkel-Fan Kretschmann – oder aus Protest die AfD. Deren Wähler sollte niemand pauschal als Radikale abstempeln, auch wenn AfD-Verantwortliche und nicht wenige Kandidaten im Wahlkampf durch fragwürdige und zum Teil geschmacklose Äußerungen aufgefallen sind.

Offenbar ist aber die Sehnsucht vieler Menschen nach einfachen Lösungen – gerade in der Flüchtlingskrise – groß. Es kann und wird sie trotzdem nicht geben. Das werden auch die meisten derjenigen feststellen, die der AfD im Filstal zum Triumph verholfen haben – inklusive eines Landtagsmandats für Dr. Heinrich Fiechtner. Die anderen Parteien werden sich anstrengen müssen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Unabhängig vom Wahldesaster für die SPD ist es eine gute Nachricht, dass Peter Hofelich und Sascha Binder auch dem neuen Parlament angehören werden. Beide haben es durch ihre Arbeit verdient. Auf dem aufsteigenden Ast sind die Liberalen im Kreis – auch wenn es nicht für einen Sitz im Landtag gereicht hat. Immerhin ist der Landkreis auch künftig mit fünf Abgeordneten in Stuttgart vertreten.

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