LEITARTIKEL · SCHULANMELDUNGEN: Signale nicht ignorieren

. ARND WOLETZ 30.03.2013

Jedes vierte Kind der zweiten und dritten Klasse empfindet Stress. Vor allem wegen der Schule. So steht es in einer Studie des Prosoz-Instituts zur Kindergesundheit. Ist das ein Warnsignal dafür, dass der Leistungsdruck in der Grundschule zu hoch ist? Oder kann man sich freuen, dass drei Viertel unbelastet lernen? Was verstehen Kinder unter dem Wort Stress? Die Deutung kann sich jeder zurechtbiegen.

Genauso ist es mit den Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen. Bildung ist ein Streitthema. Die Wahl der Schulart wird als Richtungsentscheidung gedeutet. Jetzt, da die Zahlen vorliegen, wird die Interpretation wieder grundverschieden ausfallen.

Im Fokus stehen erfahrungsgemäß die Gemeinschaftsschulen. Die CDU-Abgeordnete Nicole Razavi sah neulich in den Auswirkungen der grün-roten Bildungspolitik allen Ernstes "ein Verbrechen an den Kindern". Demgegenüber interpretiert Kultusminister Andreas Stoch (SPD) die Gemeinschaftsschule als "eine so attraktive Schulart, dass Eltern diesem Beispiel gerne folgen möchten".

221 Kinder im Landkreis wurden für eine der fünf Gemeinschaftsschulen angemeldet - ein Votum für gemeinsames Lernen. Die Gemeinde Wäschenbeuren klagt sogar vor dem Verwaltungsgericht, um eine Gemeinschaftsschule zu bekommen. Bei anderen Eltern löst sie Ablehnung aus. Vor allem, wenn die Erwachsenen die Gefahr wittern, sich von etwas Bewährtem verabschieden zu müssen. In Ebersbach sammeln Eltern Unterschriften, hier steht aus ihrer Sicht die Realschule zu Disposition. In Faurndau protestieren Eltern und Lehrer der Schiller-Grundschule, weil sie um die Fachräume fürchten.

Klar ist: Wo die Gemeinschaftsschule mit einer nahen Realschule konkurriert, wie in Salach oder Süßen, sind die Anmeldungen eher verhalten ausgefallen. Wo das nicht der Fall ist, wie in Bad Boll, hat sie großen Zulauf.

Immer weniger Eltern sehen aber in den Werkrealschulen die richtige Wahl für ihre Kinder. Die Zahl der Anmeldungen ist auf 254 geschrumpft. Diese Signale kann die Politik nicht ignorieren.

Der Abgesang auf die Realschulen trat nicht ein. Sie verzeichnen auch im Landkreis immer noch einen Anteil von 36 Prozent aller Fünftklässler. Die Gymnasien liegen mit 42 Prozent an der Spitze - und das, obwohl die Landesregierung mit den populären G9-Gymnasien auf halbem Weg stehen geblieben ist und den Raum Göppingen ausgebremst hat. Auch hier können die Bildungspolitiker noch beweisen, dass sie den Elternwillen wirklich ernst nehmen

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