LEITARTIKEL · PLÄNE FÜR DAS KURHAUS: Es wächst etwas zusammen

JÜRGEN SCHÄFER 16.06.2012

Besser hätte es nicht kommen können: Das renommierte Christophsbad aus Göppingen entpuppt sich als der große Unbekannte, der die Rehaklinik in Bad Boll übernehmen will. Damit lösen sich die Sorgen um die Zukunft des traditionsreichen Kurhauses in Wohlgefallen auf. Wenn das Christophsbad die Rehaklinik in seine Obhut nimmt - was zu erwarten ist - braucht einem nicht bange zu sein.

Mehr noch: Es bringt den Landkreis als starker Standort von Kliniken voran, wenn sich ein großer und ein kleiner Partner zusammentun. Gemeinsam können sie eine neue Einheit schmieden, die dem Gesundheitsstandort neue Schlagkraft bringt. Schließlich hat der Kreis die meisten Klinikbetten im Umfeld von Stuttgart.

Es ist schön zu sehen, wie das Christophsbad seine Energien einsetzen will, um das Kurhaus Bad Boll für die Zukunft zu präparieren. Da ist Know how und Innovationskraft am Werk. Erhebliche Erweiterungen für Bad Boll sind in Planung, dazu ein Schub an Infrastruktur mit Parkhaus und Gastronomie. So ein Paket ist mehr als ein paar neue Jahresringe an einem prächtigen alten Stamm, es verhilft dem Kurhaus zu neuer Größe, es beseitigt Schwachstellen und verhilft dem Kurareal zu neuem Glanz. Ein schmuckes Glashaus mit Blick auf den Kurpark ist etwas anderes als das Café Auszeit, das leider etwas versteckt im Rückraum liegt.

Das wäre, wenn es nicht noch scheitert, die Verlängerung einer Glückssträhne, die dem Kurhaus von Bad Boll beschieden war. Bereits die Übernahme durch die Diakonie Stetten vor zwölf Jahren war ein Glücksfall. Die Diakonie hat dieses Kleinod gepflegt und gepäppelt, es ins Schlepptau seiner großen Flotte genommen. Sie hat ein neues Thermalbad, ein zusätzliches Bettenhaus, das Café Auszeit und weitere Infrastruktur gebaut. Das kann man nicht hoch genug würdigen, auch wenn die Diakonie Stetten dies im Blick auf einen möglichen Käufer tat.

Ein großes Wort ist schon angeklungen: Es kann etwas zusammen wachsen, was zusammengehört. Vor 160 Jahren haben sich die Wege des Arztes Heinrich Landerer und des Theologen Johann Christoph Blumhardt gekreuzt. Beide waren Interessenten für das damals Königliche Kurhaus und das Christophsbad in Göppingen. Sie haben ihre Wirkungsorte gefunden, der eine in Göppingen, der andere in Bad Boll; sie kannten sich, sie waren beide tief religiös und sozial eingestellt, sie haben aus ihren Möglichkeiten das Beste gemacht. Jetzt schließt sich ein Kreis - die Erben beider Häuser wollen gemeinsam noch stärker werden.

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