LEITARTIKEL · OLYMPISCHE SPIELE: Mit Schempp und Vogt in Sotschi

HARALD BETZ 08.02.2014

Olympische Spiele faszinieren die Menschen, auch im Kreis Göppingen. Erst recht, wenn man am Fernseher mit Athleten mitfiebern kann, die aus der Region kommen wie der Biathlet Simon Schempp von der Skizunft Uhingen und die Skispringerin Carina Vogt vom Skiclub Degenfeld. Daumendrücken für die beiden Sympathieträger ohne Starallüren ist erlaubt und Public Viewing in beiden Fällen bereits organisiert - zumal Medaillengewinne keineswegs ausgeschlossen sind.

Simon Schempp hat sich im unglaublich engen Feld der Biathlon-Weltklasse in diesem Winter in den Vordergrund katapultiert. Mit seinen zwei Siegen am letzten Weltcup-Wochenende in der Südtiroler Höhe von Antholz schoss der 25-jährige Uhinger mit Wahlheimat Ruhpolding auf Rang drei im Gesamt-Weltcup nach vorn, vor ihm stehen nur die Super-Stars der Szene, Martin Fourcade und Emil Hegle Svendsen. Jahrelange harte, disziplinierte Trainingsarbeit fokussiert sich nun auf maximal sechs Wettbewerbe für Schempp im hoch gelegenen Kaukasus-Tal.

Nur eine einzige Chance besitzt dagegen Carina Vogt. Anders als im TV-Bestseller Biathlon darf sich die 22-Jährige aus Waldstetten darüber freuen, in Sotschi überhaupt dabei zu sein, denn dem Frauen-Skispringen gelang erst jetzt der Sprung ins Olympische Programm, ein Medaillensatz wird vergeben. Als Weltcup-Zweite ist Vogt sportlich über jeden Zweifel erhaben, zählt gar zum Kreis der Favoritinnen.

Auch wenn die Teilnahme an den nur alle vier Jahre stattfindenden Olympischen Spielen den Höhepunkt einer jeden Sportlerkarriere markiert und die meisten Athleten sich gern und manchmal zu schnell auf ihre sportliche Aufgabe zurückziehen, sie müssen sich auch der Diskussion um die Zukunft ihrer Vorzeige-Veranstaltung stellen. Der immer weiter gesteigerte Gigantismus mit all seinen Schattenseiten macht immer mehr Menschen nachdenklich - die Ablehnung der München-Bewerbung 2022 im Bürgerentscheid zeigt das deutlich.

Mit Sotschi steht diesmal das politische Russland mit Machthaber Putin im Kreuzfeuer, Rücksicht auf Mensch und Natur wurde nicht genommen. Die Rolle des mächtigen Internationalen Olympischen Komitees mit Thomas Bach an der Spitze muss noch gründlicher durchleuchtet werden als es bisher gelungen ist.

Dass sich Simon Schempp und Carina Vogt jetzt vor Ort ganz auf ihre Wettkämpfe konzentrieren, ist allerdings nachvollziehbar - darauf haben sie jahrelang hingearbeitet.