LEITARTIKEL · KINDERBETREUUNG: Quadratur des Kreises

ARND WOLETZ 12.05.2012

Selbstgebackene Kuchen, farbenfrohe Blumensträuße, Frühstücks- oder Mittagsüberraschungen - Morgen werden die Kinder wieder zu tausenden ihren Müttern zeigen, wie dankbar sie ihnen sind. Jedes Zeichen der Anerkennung ist goldrichtig. Hilfe und Unterstützung für Mütter sollte auch noch mehr zur gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit werden. Zugegeben: Im Landkreis Göppingen hat sich auch bei den Rahmenbedingungen schon viel getan. Ein Netz an Angeboten ist geknüpft. Die Familientreffs beispielsweise sind kaum noch wegzudenken.

Damit ist es natürlich nicht getan. Wenn Mama und Papa arbeiten gehen müssen oder wollen, sind sie auf verlässliche Betreuung der Kinder angewiesen. Das ist im besten Fall die Oma oder der Opa. Aber eben nicht immer. Die Grabenkämpfe von Kirchenvertretern und Partei-Ideologen gehen deshalb an der Wirklichkeit vorbei. "Verstaatlichung der Kindheit" schimpfen die einen bei allzu viel Fremdbetreuung. Als "Heimchen am Herd" werden Frauen abgetan, die sich entschieden haben, ihren Kindern selber stabile Bindungen zu bieten.

Künftig müssen beide Wege offen stehen. Auch wenn es der Quadratur des Kreises gleicht. Professionell organisierte Kinderbetreuung ist im Umbruch. Vor allem bei der Kleinkindbetreuung ist die Aufholjagd im Gange. Im Landesvergleich rangiert der Kreis Göppingen dabei zwar noch auf einem der hinteren Plätze. Das Thema ist jedoch allgegenwärtig. Manche Kommunen machen mächtig Klimmzüge, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Andere haben noch nicht verinnerlicht, wie wichtig es ist, die Lethargie der vergangenen Jahrzehnte zu überwinden und neue Modelle zu probieren.

Tagesmütter gelten als ideale Form flexibler Betreuung. Sie sind im Landkreis Göppingen traditionell gut aufgestellt. Dennoch können sie die Rolle noch nicht ganz ausfüllen - vor allem, weil es bei der Bezahlung mächtig hapert. Kein Wunder, dass es dem Verein schwer fällt, die richtigen Frauen in ausreichender Zahl zu finden.

Denkverbote sollte es da nicht geben. Warum sollten sich Tagesmütter nicht auch mit Minigruppen in abends leer stehende Kindergärten einmieten?

Weitere Herausforderungen warten auf eine Lösung: Wie lässt sich die umfassende Betreuung der Kindergartenkinder mit Ganztagsschulen konsequent fortführen? Und was können Firmen ihren Mitarbeitern bieten, damit sie Familie und Beruf vereinbaren können? Schließlich fordern sie oft genug Schichtdienst ein.