LEITARTIKEL · HOHENSTAUFEN: Mehr als ein Wahrzeichen

HELGE THIELE 07.04.2012

Der Hohenstaufen ist mehr als das Göppinger Wahrzeichen. Und er ist mehr als der Kaiserberg, auf dem sich die Ruine der Staufer-Stammburg befindet. Der Hohenstaufen ist ein touristisches Pfund, ein Naturparadies, ein Ausflugsziel und etwas philosophioscher betrachtet, ist er ein tolles Lebensgefühl.

Unterhalb des Gipfels liegt der gleichnamige Stadtbezirk, von dem einige - und es sind nicht wenige - sagen, es sei einer der schönsten Orte zum Wohnen, die man sich vorstellen kann. Für die Menschen in Hohenstaufen, die durch manch harten Winter müssen, dafür aber in einer herrlichen Umgebung leben, ist die Prominenz ihres Berges mitunter eine Last. Nicht ohne Grund hat sich die Stadt Göppingen in enger Abstimmung mit dem Bezirksamt unlängst dazu entschlossen, ein Parkleitsystem einzurichten. Immer wieder hatten sich Anlieger über das im doppelten Sinne verbotene Parken vor ihren Häusern beschwert. Nun wird der Praxistest zeigen, ob das Leitsystem die Lage verbessert oder sich als Beruhigungspille entpuppt.

So oder so: Die Hohenstaufener werden mit den auswärtigen Gästen zurecht kommen müssen - und die allermeisten wollen das auch. Der Berg "gehört" ohnehin nicht nur jenen, die auf ihm leben, sondern allen, die ihn besuchen, vorausgesetzt, sie tun dies mit der gebotenen Rücksicht und Demut. Der Hohenstaufen ist ein wichtiges Stück mitteleuropäischer Geschichte, er hat und ist Kultur - und er ist Kult.

Dass in diesen Wochen und Monaten im Göppinger Rathaus so häufig, intensiv und gut über ihn gesprochen wird, hat der Hohenstaufen verdient. Und dass er für Touristen weiter aufgewertet werden soll, ebenfalls. Genau genommen ist bereits jeder Göppinger aus dem Tal, der in seiner Mittagspause die Serpentinen hochfährt, um die frische Luft und die wohltuende Ruhe zu genießen, ein Tourist. Und die Bemühungen der Stadt, mit dem Berg und seinen Qualitäten auch außerhalb Göppingens und weit darüber hinaus zu punkten, sind genauso richtig.

Respekt verdient das Konzept, das die Göppinger Agentur Saltico für die behutsame Belebung des Kaiserbergs entwickelt hat. Etwas verlegen macht einen da nur, dass die kreativen Köpfe mit dem Bettelgefäß unter dem Arm Klinken putzen müssen, bevor klar ist, ob die guten Ideen umgesetzt werden können. Die Stadt ist nicht auf Rosen gebettet - und sie investiert schon in die Gaststätte. Aber sie wird auch künftig ihren Beitrag leisten müssen, damit der Hohenstaufen als Berg wahrgenommen wird, der die Menschen begeistert.