Leitartikel · FREILICHTSAISON: Doppelpass statt Schema F

MARCUS ZECHA 05.07.2014

Es rauscht wieder im Blätterwald der Festival-Broschüren, Plakate versprechen laue Sommerabende und Kunstgenuss, Menschen lassen sich bezaubern von Musik und Spiel in schönem Ambiente, in der Region herrscht Open-Air-Kultur pur - die Freilicht-Hochsaison ist eröffnet. Traumhafte Aussichten also? Nicht überall. Denn manchmal trügt das heimische Idyll.

Keine Frage, die morgen beginnenden Freilichtspiele Adelberg und das Sommerfestival Schloss Filseck halten sich wacker im Konzert der großen Festspiele. Immer wieder haben die Veranstalter große Namen in den Kreis geholt, glänzende Konzerte mit eigenen und lokalen Kräften gestemmt und die Besucher so bei Laune gehalten. Respekt vor dieser Leistung! Die ehrenamtlichen Helfer schaffen Großartiges. Doch ihre Zeit und Kraft sind ebenso begrenzt wie der Etat und die Zuschüsse der öffentlichen Hand.

Hauptproblem: Das Spielfeld wird immer dichter, und den Veranstaltern als Spielmacher fällt es somit schwerer, Treffer zu landen. In Adelberg pflegt man statt anspruchsvoller Spielkultur inzwischen einen populären Stil mit mehr Musik und guter Laune. Das Motto: Wenn Komponist Hans-Ulrich Pohl und die Lumberjack Bigband mitmachen, wird es schon laufen. Doch die Absage von Pohls Zirkus-Musical wegen des schlechten Vorverkaufs zeigt: Zwei lokale Größen plus Stargäste allein reichen als Konzept nicht aus, um sich weiter auf Dauer in der Region zu behaupten.

Hinzu kommt, dass dieses Jahr auch noch König Fußball Audienz hält. Public-Viewing ist längst auch in kulturbeflissenen Kreisen zum Konkurrenten um die Zuschauergunst geworden.

Auch fürs Open-Air-Kino gilt: Die Zahl der Spieler ist gestiegen - aber fast alle zeigen die gleichen Filme. Da macht oft der Ton die Musik: Esslingen und Kirchheim etwa haben Wohlfühl-Programme zwischen Mainstream und Autorenfilm in schöner Atmosphäre aufgelegt, auf der Burg wird mit passender Live-Musik auf die Filme eingestimmt, während kleinere Anbieter wie die Zachersmühle mit ihrer einzigartigen Naturkulisse zu punkten versuchen.

Um im Fußball-Jargon zu bleiben: Wenn eine massierte Abwehr das Durchkommen erschwert, helfen kreative Ideen. Warum sollten nicht die Freilichtspiele mit den Zachersmühlern kooperieren? Warum nicht einen gemeinsamen Projektchor für Adelberg und Filseck bilden? Gefordert ist mal wieder der gepflegte Doppelpass statt Schema F - damit sich die Besucher weiter bezaubern lassen können von Spielkultur auf hohem Niveau.