LEITARTIKEL · CITY-BUS: Gutes Konzept nicht zerreden

HELGE THIELE 21.04.2012

Manchmal kann man sich nur wundern: Was ist eigentlich los in der Göppinger Politik? Seit Jahren ringen Stadträte und Verwaltung um die Einführung eines City-Busses. Bisher waren jedoch alle Anläufe an den hohen Kosten gescheitert. Jetzt haben die Verkehrsplaner ein Konzept entwickelt, das es erlaubt, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Die kleinen umweltfreundlichen Busse, die maximal 40 Fahrgästen Platz bieten, sollen nicht nur die Personenbeförderung innerhalb des Zentrums verbessern, sondern auch genutzt werden, um bisher vernachlässigte Stadtteile besser an das Busnetz anzubinden. Damit wird das Modell auch für den Betreiber, das Göppinger Busunternehmen OVG, attraktiv. Am 3. Mai soll der Gemeinderat mit einem Grundsatzbeschluss die Planungen vorantreiben, gegenüber der OVG für die notwendige Verlässlichkeit sorgen und außerdem sicherstellen, dass alle Fristen eingehalten werden können. Schließlich muss der Landkreis die Linienführung noch genehmigen und die City-Busse in den Gesamtfahrplan integrieren.

Ob der Gemeinderat am 3. Mai entscheidet, ist seit dieser Woche aber völlig offen. Bedenken um Bedenken wurden in der Vorberatung im Ausschuss für Umwelt und Technik vorgetragen. Fast fragte man sich, ob es sich um dieselben Bürgervertreter handelte, die sich an gleicher Stelle und schon so oft für den City-Bus stark gemacht hatten. Vor allem die Vertreter von SPD und CDU brachten weitere Stadtteile ins Gespräch und bemängelten die Zahl der Sitzplätze in den Bussen. Selbst der Vorschlag, den Marktplatz wieder für den Busverkehr zu öffnen, durfte nicht fehlen. Hinzu kommt die Kritik von Anliegern des Bergfelds, die zwar den City-Bus nicht grundsätzlich ablehnen, ihm aber dennoch skeptisch gegenüber stehen, weil sie befürchten, der Verkehr insgesamt könnte in ihrem Wohnviertel zunehmen.

Die Verwaltung war zwar nicht zu beneiden um ihre Aufgabe, in dieser Gemengelage die nötige Ruhe und den Überblick zu bewahren. Allerdings zeigte sie auch keine klare Kante. Das mag an der eher zurückhaltenden Sitzungsführung von Baudezernent Olav Brinker gelegen haben. Es hatte aber auch damit zu tun, dass die Verwaltung ihrem Konzept selbst noch nicht über den Weg traut.

Noch ist nichts verloren. Vielleicht sind noch nicht alle Fragen abschließend beantwortet. Doch das ist kein Grund, ein gutes Konzept zu zerreden und so zu riskieren, dass der City-Bus frühestens Ende 2014 starten kann. In anderen Städten gehören City-Busse längst zum Alltag.

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