LEITARTIKEL · BAHNHOFSVIERTEL: Bremsklötze aus dem Weg

ARND WOLETZ 11.02.2012

Einsteigen in die Zeitmaschine! Die Fahrt geht in die Zukunft. Das Ticket ist gelöst. Das Ziel heißt "Göppingen 2030".

Das ist auch der Titel des Stadtkonzepts, über das die Bürger, Verwaltung und andere helle Köpfe sich seit Jahren Gedanken machen. Die Präsentation des zugehörige Rahmenplans für das Bahnhofsumfeld war diese Woche ein weiterer Meilenstein in einem systemischen Prozesses, den man nicht unterschätzen sollte. Die Stadt setzt auf das richtige Pferd. Es führt kein Weg daran vorbei, das Bahnhofsquartier zu sanieren und neu zu ordnen, seine Potenziale zu entdecken, nachdem ein Einkaufszentrum als Magnet ausgeschieden ist. Wenn Dialog und planerisches Feingefühl zusammenkommen, kann Göppingen die Stadtbild-Katastrophen der vergangenen Jahrzehnte nach und nach vergessen machen.

Und wie soll das aussehen? Auf neuen Filsterrassen tummeln sich die Sonnenanbeter. An der "Mobilitäts-Drehscheibe" Bahnhof sind alle modernen Verkehrsmittel vernetzt. Gleich nebenan, wo heute eine Güterhalle und schäbige Häuser Tristesse verbreiten, erstrecken sich Museen und Büros. Im kleinräumigen Karlstraßenquartier pulsiert urbanes Leben.

All das sind schöne Vorstellungen. Es lohnt sich, an ihnen zu arbeiten. Die Kreisparkasse hat vorgemacht, wie von einer Investition auch ein Impuls ausgehen kann. Das denkmalgeschützte Haus am Bahnhof muss die nächste Perle in der Kette sein, das hat der Planer Pesch richtig erkannt. Im Zweifel sollte die Stadt auch mal selber Geld in die Hand nehmen, um an die entscheidenden Grundstücke zu kommen.

Bitter ist, dass gerade die Bahn mal wieder ein ärgerlicher Bremsklotz werden könnte. Bei zentralen Elementen des schönen neuen Bahnhofsviertels ist die Stadt auf das Unternehmen angewiesen. Ohne einen Teil der üppigen Gleisflächen an der Fils kann Göppingen viele seiner Visionen vergessen. Das gilt für die Entlastung der Bahnhofstraße genauso wie für die Öffnung der City zur Fils und zum Hochschul-Campus. Ohne sie wird Göppingen im gemeindeübergreifenden "Landschaftspark Fils" das Stiefkind bleiben. Dabei wäre es so einfach. Schwer vorstellbar ist doch, dass der Göppinger Bahnhof, der künftig weit abseits des Fernverkehrs liegt, zehn Gleise brauchen wird - zwei mehr als der neue Stuttgarter Hauptbahnhof.

Das zeigt: Die Göppinger müssen realistisch bleiben. Es reicht nicht, Papier mit feinstem Planer-Deutsch zu bedrucken. Dazu gehört mehr. Sonst bleibt die Zeitmaschine stecken.