Göppingen Lange Zeit in DDR-Haft

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Eine junge Frau aus dem Filstal saß damals in Ost-Berlin im Gefängnis - wegen angeblicher Fluchthilfe.
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Eine junge Frau aus dem Filstal saß damals in Ost-Berlin im Gefängnis - wegen angeblicher Fluchthilfe. © Foto: Archiv
Göppingen / ELKE BERGER 20.12.2014
Zwischen der DDR und der Bundesrepublik öffnen sich die Grenzen - doch für eine junge Frau aus dem Kreis Göppingen bleibt die Gefängnistür in der DDR wegen angeblicher Fluchthilfe vorerst verschlossen.

Am Ostermontag 1989 war die 22-Jährige am Übergang nach Ost-Berlin plötzlich verschwunden, stand am 29. November 1989 in der NWZ zu lesen. Mit einem Freund hatte sie den Ostteil der Stadt besucht, bei der Rückkehr hatte er sie aus den Augen verloren und auf eine entsprechende Nachfrage bei den DDR-Grenzern die Antwort erhalten, sie sei bereits in West-Berlin. Dass dies eine Lüge war, zeigte sich anderntags: Die Eltern im Kreis Göppingen erhielten die Nachricht, dass ihre Tochter im Gefängnis saß.

Wegen angeblicher Fluchthilfe war die junge Frau schließlich im Frühsommer zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Seither saß sie in Bautzen. Ihr Vater setzte mittlerweile Himmel und Hölle in Bewegung, um seine Tochter frei zu bekommen. Informationen über den Fall bekam er so gut wie keine. Bei Besuchen seiner Tochter war beiden verboten, über die erhobenen Vorwürfe zu sprechen. Auch in Briefen - zwei pro Monat durfte die Tochter schreiben - war ihr ebenfalls nicht erlaubt, irgendetwas über ihren Fall zu schreiben.

Auch ein West-Berliner Rechtsanwalt sah nach der Inhaftierung der 22-Jährigen keine Möglichkeit, ihr zu helfen und so wandte sich der Vater an Staatssekretär Georg Gallus. Mehrfach nahm Gallus Kontakt zur DDR auf, jedoch erfolglos. Das Mädchen sitze "völlig zurecht ein als Sühne für eine begangene Straftat", hieß es aus der DDR. Viele Male hatte der Vater auch im Stuttgarter Staatsministerium um Beistand gebeten. Doch erst Anfang Dezember erfuhr er, dass seine Anfragen nie an den damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth weitergeleitet wurden. Erst als sich die NWZ einschaltete, kam der Stein ins Rollen. Späth sprach bei einem DDR-Besuch mit Ministerpräsident Hans Modrow über den Fall, nach ein paar Tagen des bangen Wartens kam am 14. Dezember 1989 der erlösende Anruf aus West-Berlin: "Mama, Papa, ich bin frei!"

Was sonst noch geschah . . .

15. Dezember 1989:

Göppingen nimmt auf dem Weg zu einer Städtepartnerschaft mit Sonneberg Kontakt auf. Die Ursprünge gehen auf eine Verbindung zwischen Märklin und dem thüringischen Spielwaren-Kombinat "Piko" zurück.

16. Dezember 1964: In den Göppinger Kinos läuft "Sissi - Schicksalsjahre

einer Kaiserin", der dritte Teil der Trilogie mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm, außerdem "Die Rache des Pharao" und "Die Spinne" mit Ginger Rogers.

19. Dezember 1964: Über Göppingen findet in der längsten Vollmondnacht des Jahres eine totale Mondfinsternis statt. Genau eine Stunde lang befindet sich der kupferrot leuchtende Mond im Kernschatten der Erde.

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