Göppingen Lange Einkaufsnacht: Bilanz der Händler durchwachsen

Göppingen / WERNER SCHMIDT 15.12.2014
Nur wenige nutzen die lange Einkaufsnacht am Samstag in Göppingen. Dennoch war bei den milden Temperaturen in der Stadt - hauptsächlich auf der Waldweihnacht - auch zu später Stunde noch einiges los.

Vanille, Schokolade, Cookies und Joghurt. Diese Eissorten gingen am Samstagabend bei fast frühlingshaften zehn Grad plus im Eiscafé "Arlecchino" am besten. Das versprochene "Last Minute Shopping ohne Hektik" der ersten langen Göppinger Adventseinkaufsnacht nutzten dagegen nur wenige. Die Bilanz der Geschäfte, die am Samstags daran teilnahmen, war daher auch eher gemischt.

"Im Dezember verkaufe ich nur wenig Eis, aber heute lief es sehr gut", sagte Ilhami Sogut vom Eiscafé Arlecchino. Man musste gestehen: Die Glühweinstände und die Bratwurstbratereien waren ebenfalls schwer belagert. Sich einen Weg durch das Gedränge am Marktplatz zu bahnen, glich an diesem glühweinseligen Adventssamstag dem Aufstieg auf den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät. Hatte man es geschafft, fand man Eingang in die fast menschenleeren Geschäfte. Das nutzte auch Gerold Mayer mit Frau Brigitte aus und kaufte sich bei Shoetown Werdich ein neues paar feste Treter. Aber Besucher wie ihn gab es nur wenig: "Sie würden ja bei dem Wetter auch keine Winterschuhe kaufen", stellte Filialleiterin Annette Romeis fest. Dabei, das muss man festhalten, waren die Meyers nicht wegen der langen Einkaufsnacht von Eislingen nach Göppingen gekommen: "Wir wollten die Waldweihnacht genießen." Dennoch gab er zu: "Die lange Einkaufsnacht finde ich toll." Wie übrigens die gesamte Atmosphäre in der Göppinger Innenstadt.

Die lange Einkaufsnacht sei ein "reiner Test" gewesen, sagte Filialleiterin Annette Romeis. Bis 17 Uhr sei es von der Zahl der Kunden noch ein normaler Adventssamstag gewesen, "aber die letzten drei Stunden kann man vergessen". Es war gegen 21.20 Uhr, als sie dies sagte. Dann schränkte sie ein: "Nicht der Umsatz stand im Vordergrund." Vielmehr müsse die Göppinger Geschäftswelt Präsenz zeigen gegenüber der wachsenden Konkurrenz vor allem aus Richtung Stuttgart.

Für Betten-Bischoff, der am Rande des Weihnachtsmarkt-Tsunamis liegt, lief das Geschäft "besser als gedacht", sagte Chef Axel Bischoff. Er bedauerte, dass nicht alle Geschäfte daran teilnahmen. Immerhin seien so Kunden gekommen, die "wir sonst nicht gehabt hätten". Seine Erfahrungen sind auch andere als die von Annette Romeis: "Bis 18, 19 Uhr hatte wir gutes Geschäft, dann kam etwa eine Stunde Abendessenspause." Anschließend sei die Nachfrage nach Weihnachtsgeschenken wie Wäsche und Kuscheldecken wieder spürbar gestiegen. Und ja: "Im Zweifelsfall würden wir für eine Wiederholung im nächsten Jahr stimmen."

Was das anbelangt, ist sich Annette Romeis nicht so sicher: "Erst mal sehen, was die anderen sagen." Die Anderen, das sind die übrigen Mitglieder im Marketingverein Göppinger City, der die lange Nacht anregte. Vorsitzende Stefanie Sanke wiegte den Kopf: "Wir werden abfragen, wie's war und dann überlegen, was wir nächstes Jahr machen." Immerhin sei der Samstag vor dem dritten Advent normalerweise der umsatzstärkste Vorweihnachtstag. Falls man die lange Nacht wiederhole, werde man im Vorfeld mehr Werbung machen müssen: "Trotz unserer Werbung wussten viele nichts davon.

Keine Eile hatten Monika Stock aus Esslingen, der ständig kalt sei und die deswegen auch ihre Fellmütze bis über die Ohren gezogen hatte. Mit den Arbeitskolleginnen Caro Wolf aus Bad Boll, Vera Walter aus Donzdorf und Andrea Berger aus Holzhausen frönten sie den Pünschen und labten sich an Glühweinen. Sie waren nur des Weihnachtsmarktes wegen da. Die Einkaufsnacht ging völlig an ihnen vorbei.