Capri - blaue Grotte, viel Sonnenschein, Wasser rundherum und möglichst noch Rudi Schurickes Schlager über die Fischer, die nächtens hinausfahren "wenn die rote Sonne im Meer versinkt". Sehnsucht nach Urlaub und fernen Ländern war in den 1950er Jahren bei vielen Bürgern in der Bundesrepublik an der Tagesordnung. Wer wegfuhr, brauchte Urlaubsgarderobe.

Wem das Geld für einen Auslandsaufenthalt fehlte, der wollte zumindest schick sein. Das betraf vor allem die Frauen. Da passte die Caprihose völlig in den Trend: Das Bekleidungsstück mit den beiden dreiviertel langen schlanken Röhren und dem Schlitz in Wadenhöhe wird 70 Jahre alt, und das Staatliche Textil- und Industriemuseum ("tim") Augsburg widmet sich diesem, nicht immer unumstrittenen Kleidungsstück vom 17. Juli bis 20. September in der Ausstellung "Kurz, kess und Kult - Sonja De Lennart und die Caprihose".

Sonja de Lennart ist die Erfinderin des fetzigen Beinkleides. Die Schau lädt die Besucher auf eine spannende Zeitreise ein, zurück zum modischen Karrierestart der Caprihose. Sie spannt den Bogen vom Atelier der jungen Modeschöpferin im München der Nachkriegszeit bis zu den ersten Touristenwellen über den Brenner an italienische Strände der 1950er Jahre und weiter bis nach Hollywood. Beim Streifzug durch die Ausstellung können Museumsbesucher einen Blick in ein Modehaus der Nachkriegszeit werfen, und sie treffen dabei auf zahlreiche prominente Capri-Trägerinnen.

Die Erfolgsgeschichte der Caprihose begann in einer Zeit, in der Hosen tragende Frauen noch misstrauisch beäugt wurden. "Hosenweiber" hieß es da und die widersprachen dem damals noch gängigen mütterlich weiblichen Frauenideal der Nachkriegszeit.

Als Sonja De Lennart kurz nach Kriegsende ihre Capri-Kollektion schneiderte, trug sie die Hose vorsichtshalber zunächst nur während eines Capri-Urlaubs am Strand. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die innovativen Kollektionen aus ihrem Münchner Salon - "Maison Haase" - zum Stadtgespräch wurden. An Beinen von Schauspielerinnen wie Ingrid Bergmann und Audrey Hepburn fand die Caprihose den Weg auf Kinoleinwände und in Modezeitschriften und von dort aus in immer mehr Kleiderschränke. Eng geschnitten avancierte das Kleidungsstück zur koketten Ferien- und Freizeitbekleidung für die moderne Frau, die Ende der 1940er Jahre immer häufiger berufstätig war.

Das sommerliche Beinkleid symbolisierte die Sehnsucht nach Sonne, Süden und Sorglosigkeit. Wie viele andere Capri-Produkte wurde auch die Hose zum Inbegriff des damals begehrten Reiseziels Italien. Ab den 1960er Jahren setzte sich die Caprihose schließlich als weltweites Modephänomen durch. Seitdem taucht sie immer wieder auf. Mit Blick auf die Caprihose beleuchtet die Sonderausstellung des "tim" die Nachkriegszeit und die Wirtschaftswunderjahre in Deutschland aus einer neuen Perspektive.

Zahlreiche Stücke aus den ersten Kollektionen Sonja De Lennarts zeugen von den modischen Idealen, Frauenbildern, Hoffnungen und Träumen der damaligen Zeit und vermitteln das Lebensgefühl einer ganzen Generation.

Die Ausstellung übernimmt das Industriemuseum vom "Geburtshaus Levi-Strauss-Museum" in Buttenheim.