Politik Kundgebung zum Frauentag vor dem Rathaus

Unter dem Motto „Frauen-Gemeinsam-Stark“ versammelten sich Frauen vor dem Rathaus und beschäftigten sich mit der Frage: „Was haben wir erreicht und was noch nicht?
Unter dem Motto „Frauen-Gemeinsam-Stark“ versammelten sich Frauen vor dem Rathaus und beschäftigten sich mit der Frage: „Was haben wir erreicht und was noch nicht? © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 09.03.2018
Der Interkulturelle Frauenrat veranstaltete eine Kundgebung zum Internationalen Frauentag vor dem Göppinger Rathaus.

Was haben wir erreicht und was noch nicht? - Das war die Hauptfrage sämtlicher Redebeiträge beim diesjährigen Internationalen Frauentag vor dem Göppinger Rathaus vor dem Hintergrund von 100 Jahren Frauenwahlrecht. Die generelle Antwort: Es gibt noch viel zu tun.

Die Luft war schon etwas milder, die Cafés am Marktplatz hatten schon ihre Tische rausgestellt und es waren viele Leute unterwegs. Sie blieben denn auch stehen und bildeten, Beifall klatschend, einen Kreis um die Gruppe „Mary Dance“ des Italienischen Elternvereins, der die Veranstaltung mit dem Tanz „Break the Chain“ (Sprengt die Ketten) eröffnet hatte.

Eva Epple, eine der drei Sprecherinnen des Göppinger Interkulturellen Frauenrats, moderierte die Kundgebung. Anstelle der erkrankten Beauftragten für Chancengleichheit der Stadt Göppingen, Anja Verena Schick, sprach Alexander Maier, Landtagsabgeordneter und Göppinger Gemeinderat, ein Grußwort. Er sagte, Gleichberechtigung sei ein Menschenrecht und betreffe sowohl Männer als auch Frauen. Er kritisierte den niedrigsten Frauenanteil im Landtag von Baden-Württemberg im Bezug auf die gesamte Republik und forderte ein Listenwahlrecht. Er lobte die Me&Too Bewegung, weil sie von unten komme. Sexuelle Gewalt gegen Frauen sei immer noch ein Problem in allen Gesellschaftsschichten.

Epple lieferte Zahlen zur immer noch zu geringen Partizipation von Frauen in verschiedenen Parlamenten. Das müsse sich ändern, denn Frauen machten 51 Prozent der Bevölkerung aus. Sie zitierte das chinesische Sprichwort: „Frauen sind die Hälfte des Himmels.“ Sie forderte: „Holen wir uns diese Hälfte.“

Angeline Fischer, Sprecherin des Integrationsausschusses der Stadt Göppingen, beschrieb die Situation von Frauen in den USA und den wütenden Kampf einer halben Million Frauen gegen Präsident Trump und für Lohngleichheit. Erste Erfolge seien schon da, aber es brauche „einen langen Atem und Durchsetzungskraft“.

Sprecherin Renate Mutschler las einen persönlichen Bericht einer türkischen jungen Frau vor, die nach Deutschland vor der Willkürherrschaft von Erdogan habe fliehen müssen. Dort würden Andersdenkende verfolgt und Grundrechte missachtet, was „eine Riesensauerei“ sei. Frauen seien willkürlich verhaftet worden und würden misshandelt.

„Unter jedem Krieg leiden besonders Frauen und Kinder“, sagte eine weitere Sprecherin, die die türkischen Angriffe in Nordsyrien brandmarkte. Christel Beck von der MLPD ging mit der GroKo hart ins Gericht, die keinen Fortschritt für Frauen erbringe. Man müsse sich auch gegen die AfD wehren und sie entlarven, die Frauen zurück an den Herd bringen wolle und deren rassistisches Bild nicht mit Frauen- und Menschenrechten vereinbar sei.

Weitere Rednerinnen wiesen auf die alltägliche Gewalt gegen Frauen und auf Sexismus hin und eine türkische Frau sprach auf Türkisch ein Grußwort. Der Aufstand von Frauen und Schülerinnen nach dem Amoklauf in Florida gegen die amerikanische Waffenlobby war ebenfalls Thema. Epple dazu: „Das macht Hoffnung und Mut.“ Mit dem Satz, „Wir schweigen nicht und wir fürchten uns nicht“ von Mutschler, dem sogenannten offenen Mikrofon und einem Abschlusstanz, bei dem die Zuhörer mittanzen konnten, endete die Kundgebung.

Internationales Frauenfest mit Familien findet statt

Frauenrat Der Interkulturelle Frauenrat Göppingen ist ein Zusammenschluss von Frauen des Italienischen Elternvereins, des Migrantinnenvereins, des ­Albanischen Vereins und der Griechischen ­Tanzgruppe. Der Frauenrat hat drei Sprecherinnen.

Fest Heute um 19 Uhr ist in der Faurndauer Turnhalle ein „Internationales Frauenfest mit Familien“ und buntem Programm geplant.

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