Comedy Kulturschock der Ureinwohner und Migranten

Bärbel Stolz als Prenzelschwäbin erzählte aus ihrer Wahlheimat  Berlin am Samstag im Uditorium.
Bärbel Stolz als Prenzelschwäbin erzählte aus ihrer Wahlheimat Berlin am Samstag im Uditorium. © Foto: Staufenpress
Uhingen / Hans Steinherr 31.01.2017

Integrieren oder integriert werden. Das ist hier die Frage. Wenn beides nicht funktioniert folgt Isolation. Die Prenzlschwäbin Bärbel Stolz, die Mutter von Bruno-Hugo-Luis und Wikipedia, kämpft ums alltägliche Überleben „im“ oder „in“ Prenzlauer Berg (noch so eine ungeklärte Frage), dem Bio-Biedermeierbezirk von Berlin jedenfalls. Dort, wo so viele Schwaben leben und so gar nicht beliebt sind und Migranten und Ureinwohner gemeinsam Kulturschocken betreiben. Klar, wenn infiltrierte Besserverdiener mit schwäbischer Mund- und hipster-esoterischer-biologischer Denkart auf urban, profane, einheimische Fremdart trifft, dann ist das halt so. Aber die Prenzlschwäbin ist in der Sueben-Exklave ja nicht allein. Die Stammesgenossen Ulrike und Martin sind da, helfen sich gegenseitig sich zu behaupten. Besser: Sie waren da. Die Freundin ist in den Wedding emigriert, und Martin nach Neukölln. Bärbel Stolz hat mit ihrem Buch „Isch des bio?“ einen Treffer und den Videos dazu im Internet einen Hit gelandet. In Uhingens Uditorium hat sie in den Stuhlreihen den Schulterschluss propagiert und von Berliner Sueben-Phobie und schwäbischem Widerstand erzählt. Das Dilemma beginnt mit der Mayo im Kartoffelsalat und geht weiter mit „Fannkuchen“ womit der ungenießliche Berliner die genießbaren Berliner bezeichnet. Die Prenzlschwäbin hält allen den Spiegel vor. Den muffigen Berlinern und den besserwisserischen Schwaben. Sie jongliert mit Klischees. Ihre Bühnenschau ist den Videos und dem Buch gegenüber allerdings im Hintertreffen. Der Leser erlebt seine eigene Fantasie und die Videos sind knapp und witzig inszeniert. Zwei Stunden mit nichts anderem als einer zugegeben quirligen und schlagfertigen und zuweilen nervigen schwäbischen Schwertgosch auf der Bühne freilich sind wohl doch etwas zu viel des Guten. Zumindest nicht jedermanns Geschmack. Hans Steinherr

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