Serie Kultur im historischen Bullendomizil

Von Margit Haas 07.09.2018

Draußen ruhen in der Sommerhitze die Bauarbeiten, im großen Veranstaltungssaal des Faurndauer Alten Farrenstalls sind lange Tischreihen liebevoll eingedeckt. „Am Samstag wird hier eine Hochzeit gefeiert“, erklärt Werner Stepanek. Ihm und einer kleinen Gruppe von Mitstreiterinnen und Mitstreitern ist es zu verdanken, dass im Farrenstall überhaupt gefeiert werden kann. Denn zu Beginn des Jahrtausends sollte das Bauwerk „abgerissen werden für einen Parkplatz“. Dagegen regte sich Widerstand.

„Wir lassen uns unsere Wurzeln nicht kaputtmachen“, widersetzten sich die Faurndauer damals und hatten das Landesdenkmalamt auf ihrer Seite. Denn das historische Bauwerk weist eine lange Geschichte auf. 1870 hatte es die Gemeinde gekauft und dort bis 1983 Farren, also Zuchtbullen, gehalten. Erbaut worden war es im 17. Jahrhundert. „Das hat die Datierung der verbauten Hölzer ergeben“, berichtet Stepanek. Das Anwesen war an die Umfassungsmauer des Freihofes gebaut worden. Zeitweise gehörte es einer Adelsfamilie. An den Ritter und Oberst Bernhard Schaffalitzky von Muckadell zu Freudental (bei Besigheim) und seine Frau Margareta Elisabeth, geborene von Witzleben, erinnert bis heute ein Stein am Eingang mit der Jahreszahl 1626. „Er stammt vom Schorndorfer Bildhauer Melchior Gockheler, der auch an der Stadtkirche Göppingen arbeitete“, so Stepanek.

Der Protest der schnell gegründeten Initiative jedenfalls hatte 2001 Erfolg. „Wir hatten ein Nutzungskonzept erarbeitet, das überzeugte“. Seit 2004 und bis heute laden die Vereinsmitglieder demnach regelmäßig zu Konzerten und schwäbischen Dialekt­abenden ein. Immer ausverkauft seien die traditionellen wie modernen Stubenmusikabende. Im Farrenstall finden auch die Vorträge zu Faurndauer Persönlichkeiten statt und ebenfalls großer Beliebtheit erfreuten sich die Flohmärkte sowie der Weihnachtsmarkt. „Immer voll“ ist es, wenn in der Adventszeit die ,lebendige Krippe’ Einzug in den ehemaligen Farrenstall hält. Auch die Faurndauer Vereine schätzen den Farrenstall, laden zu Festen oder Neujahrsempfängen ein.

Jetzt im September findet wieder die Lichtstube statt, im Oktober laden der Fußballverein Vorwärts zum Wein- und der Musikverein zum Kürbisfest ein. Auch Göppingens Oberbürgermeister Guido Till schätzt die Atmosphäre des äußerst behutsam renovierten Gebäudes bei seinen regelmäßigen Bürgergesprächen. Denn in die historische Bausubstanz wurde „nur dort eingegriffen, wo es unvermeidlich war“. Einbauten wie die barrierefreien Toiletten oder die Küche wurden dem ursprünglichen Mauerwerk vorgestellt, so dass es nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde.

„Ganz wichtig für uns sind die privaten Vermietungen – wie diese Hochzeit“, sagt der rührige Faurndauer. „Damit finanzieren wir unsere Ausgaben“. Die Erlöse werden auch in eine kleine Ausstellung zur Ortsgeschichte fließen, die im Obergeschoss im großzügigen Dachraum entstehen soll. Drei Modelle, von einem Faurndauer liebevoll gestaltet, erinnern daran, wie die Stiftskirche, der Bahnhof und der Farrenstall in alter Zeit ausgesehen haben. Und was wird draußen gebaut? „Wir renovieren das ehemalige Milchhäusle und wollen es in den Farrenstall einbeziehen“. Das Geld kommt von der Stadt, „die Arbeit leisten wir selbst“.

Nachgefragt bei Werner Stepanek

Herr Stepanek, welches war Ihr schönstes Erlebnis im Farrenstall?

Werner Stepanek (muss nicht lange überlegen): Es war gleich unsere erste Veranstaltung im Jahr 2004. Wir haben alte Fahrzeuge ausgestellt, Kutschen, Wägelchen und sogar einen königlichen Schlitten. Zum großen Teil waren es Schätze, die im Ort verborgen waren. Sogar ein Leichenwagen wie aus einem Kinofilm war dabei. Das war etwas wirklich Außergewöhnliches.

Das größte Lob, das es für den Farrenstall oder eine Veranstaltung gab?

„Wir kommen wieder!“

Gab es einen besonders peinlichen Zwischenfall während einer Veranstaltung?

Eigentlich nicht, weil alle Zwischenfälle immer mit viel Humor getragen werden. So auch die verärgerte Nachfrage eines Besuchers, der nach langer Wartezeit, endlich mit dem Herrn (P)farrer sprechen wollte. Ein Städter kennt halt keinen dörflichen Farren!

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch oder noch einmal im Farrenstall sehen?

(Muss lange nachdenken) Vieles. Aber das Lanzinger Trio mit seiner gelungenen Synthese aus traditioneller Stubenmusik, die die Musiker zeitgenössisch und frech interpretieren, das ist immer wieder ein Genuss.

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