Konzert Künftige Meister spielen zusammen in Göppingen

Die Mitglieder des Landesjugendorchesters beeindruckten in Göppingen mit großem technischen Können.
Die Mitglieder des Landesjugendorchesters beeindruckten in Göppingen mit großem technischen Können. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Ulrich Kernen 10.11.2018

In großer Besetzung trat das Landesjugendorchester unter der Leitung von Johannes Klumpp in der Göppinger Stadthalle an, um die Früchte seiner Arbeit zu präsentieren. Talentierte aus dem ganzen Land dürfen nach anspruchsvoller Auswahl mitspielen und bereiten sich für die Arbeitsphasen vor, in denen sie sich in Gruppen zusammenfinden; der Dirigent schmiedet daraus dann ein Ganzes.

Das Göppinger Programm war dementsprechend anspruchsvoll: „Atmosphères“ für großes Orchester von György Sándor Ligeti und Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 5 cis-Moll. Das schreckte wohl etliche Göppinger ab, denn viele Plätze im Saal waren an diesem Abend leer. Die „Atmosphères“ von Ligeti wurden berühmt durch einen illegalen Zugriff: Ohne Genehmigung des Komponisten wurde das Werk in dem Film „2001: Odyssee im Weltraum“ verwendet. Das Neue an dieser Musik ist, dass nur noch Klangfarben (aus 87 Einzelinstrumenten) zu ständig wechselnden Klangwolken werden.

Natürlich stellten sich unwillkürlich bei jedem Zuhörer Bilder ein. Johannes Klumpp schlug den Vier-Viertel-Takt als Orientierung durch das ganze Werk: Er lenkte präzise und effektiv. Die meisten Phasen endeten im Pianissimo, so dass der Huster aus dem Publikum in den Schluss hinein wie ein Fortisssimo wirkte.

Die sehr ausladende Sinfonie Nr. 5 von Gustav Mahler schloss sich an. Die ersten beiden Sätze sind durchzogen von einem Trauermarsch „im gemessenen Schritt“. Das war vor allem die Stunde des tüchtigen jungen Solotrompeters. Den Gegenpol bildeten immer wieder resignierte, spannungsreiche Gesänge und groteske, ironische Einlagen. Die verschiedenen Gruppen waren dafür bestens disponiert und passten sich dynamisch hervorragend einander an. Im grandiosen Choral konnte das Orchester auch andeuten, dass ein Löwe in ihm steckt. Damit waren die Zuhörer in Mahlers Tonsprache eingeführt.

Johannes Klumpp tat im folgenden Scherzo gut daran, das Tempo, Mahler folgend, nicht zu schnell zu lassen. Denn der dort aufkommenden Walzerseligkeit war nicht zu trauen und das musikalische Geschehen wurde immer vielschichtiger, worin vor allem die Bläser ihre Qualität beweisen konnten. Der berühmte vierte Satz, „Adagietto“, ist ein Haltepunkt im sinfonischen Riesenwerk. Er strömte intime, andächtige Ruhe aus, die sich allmählich wellenförmig steigerte. Mit klarer Gestik begleitete Klumpp lenkend und animierend die Harfe und die Streicher: ein wundervolles Miteinander.

Im Finale stürzten sich schließlich alle in einen grenzenlosen Schlusstaumel hinein, der sie noch einmal mächtig forderte. Großen Respekt für das technische Können der Akteure, ihre Hingabe an Mahlers Musik und ihre bis zum Schluss durchgehaltene Konzentration: Hier spielten zukünftige Meister.

Ulrich Kernen

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