Göppingen / swp  Uhr
Wurde die Marke „Göppinger Sprudel“ von der Geschäftsleitung nicht mehr genügend gepflegt? Diesen Vorwurf erhebt Betriebsratschef Efstathios Michailidis.

Das Ringen um eine Zukunft des Brunnenbetriebs von Aqua Römer am Standort Jebenhausen geht weiter. Nach der angekündigten Schließung des Abfüllbetriebs hat sich der Göppinger SPD-Landtagsabgeordnete Peter Hofelich mit dem Betriebsrat ausgetauscht. Bei dem Gespräch mit dem Betriebsratsvorsitzendem Efstathios Michailidis, an dem auch die Göppinger SPD-Vorsitzende und Stadträtin Hilde Huber teilnahm, habe „vor allem die Zukunft der Beschäftigten im Mittelpunkt gestanden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Abgeordneten. Darin fordert der Politiker: „Die nächsten Monate sollten genutzt werden, um mit fundierten Überlegungen Arbeitsplätze zu sichern und vielleicht doch noch eine Perspektive für den Standort aufzuzeigen.“

Der Standort in Jebenhausen soll aus wirtschaftlichen Gründen schließen, 50 Arbeitsplätze sollen wegfallen.

Dafür stünden, so Hofelich, sicher auch das Wirtschaftsministerium des Landes und die regionale Wirtschaftsförderung mit ihren Möglichkeiten bereit, „um unserer öffentlichen Verantwortung gerecht zu werden“. Der stetige Einbezug von Betriebsrat und Gewerkschaft sei dabei „unabdingbar“.

Marke über Jahre nicht mehr genügend gepflegt

Betriebsratschef Efstathios Michailidis fand, wie aus der Mitteilung Hofelichs weiter hervorgeht, klare Worte zum Geschehen. Michailidis kritisierte, die Marke „Göppinger Sprudel“ sei über Jahre nicht mehr genügend gepflegt worden. „Es wurden Fehler gemacht, die wir als Betriebsrat bereits 2003 in einem offenen Brief an die Gesellschafter benannt haben“, wird Michailidis von Hofelich zitiert. Umso wichtiger sei es nun, rasch und entschieden nach gemeinsamen Lösungen für die Beschäftigten einzutreten, betonte der Göppinger Landtagsabgeordnete. Dies sei der Grund dafür gewesen, dass er sich nach der Einschätzung der Kolleginnen und Kollegen erkundigt habe. „Das ist dringend nötig, damit die Politik mit ihren eingeschränkten Möglichkeiten überhaupt helfen kann“, ist Hofelich überzeugt. Michailidis habe ihm berichtet, die Entschlossenheit der Belegschaft sei groß. So habe durchgesetzt werden können, dass bis Ende Oktober in jedem Falle weiter produziert werde.

Der Blick richtet sich nach Angaben des SPD-Parlamentariers nun auf eine in Auftrag gegebene Studie zur Zukunftsfähigkeit des Standorts Jebenhausen. Die Studie soll Klarheit bringen über wirtschaftliche Möglichkeiten. Dazu wurde das IMU-Institut beauftragt. Danach könne überhaupt erst beurteilt werden, ob und wie es Chancen zu einer Fortführung gebe, meint Hofelich.

Nicht nur bei Schuler sollen Arbeitsplätze wegfallen, auch bei der WMF, Südrad oder Aqua Römer sind Jobs gefährdet.

Zu den Möglichkeiten der Landespolitik, vor Ort zu helfen, sagte Hofelich: „Die Option besserer Liquidität durch Bürgschaften oder einer engeren Zusammenarbeit in Branchen-Clustern ist als Angebot der Landespolitik derzeit kaum gefragt. Das Land unterstützt jedoch grundsätzlich eine starke Präsenz regionaler Marken.“ Hofelich weiter: „Das macht den Charakter unseres Landes aus – und ‚Göppinger‘ gehört nicht nur für mich einfach dazu.“

Aqua Römer will Standort Jebenhausen schließen

Situation Über 600 Jahre gibt es das Göppinger Mineralwasser schon, jetzt soll es vom Markt verschwinden. „Eine Fortführung der Produktion in Göppingen macht wirtschaftlich keinen Sinn mehr“, hatte Andreas F. Schubert, seit 2013 Geschäftsführer des Brunnens, Mitte Juli verkündet. Aqua Römer möchte den Standort in Jebenhausen schließen und Produktion, Logistik, Vertrieb und Verwaltung an den zweiten Abfüllort der Brunnen-Union St. Christopherus in Mainhardt verlagern. Die Göppinger Abfüllanlage sei seit Jahren hoch defizitär und betriebswirtschaftlich nicht mehr zu retten, sagt Geschäftsführer Schubert, der im Juli in den Ruhestand geht. 50 Arbeitsplätze sollen wegfallen, 50 Mitarbeiter nach Mainhardt wechseln.