Göppingen Krimi-Nacht zum 100-jährigen Bestehen der Stadtbibliothek

Mit viel Witz und Ironie gestalteten die Krimiautoren Wolfgang Schorlau und Heinrich Steinfels (von links) sowie NWZ-Kulturredakteur Marcus Zecha (rechts) die Krimi-Nacht zum 100-jährigen Bestehen der Stadtbibliothek Göppingen.
Mit viel Witz und Ironie gestalteten die Krimiautoren Wolfgang Schorlau und Heinrich Steinfels (von links) sowie NWZ-Kulturredakteur Marcus Zecha (rechts) die Krimi-Nacht zum 100-jährigen Bestehen der Stadtbibliothek Göppingen. © Foto: Hans Steinherr
Göppingen / HANS STEINHERR 17.09.2012
Mit einer amüsanten Krimi-Nacht wurde am vergangenen Wochenende das 100-jährige Bestehen der Stadtbibliothek Göppingen gefeiert.

Zählt eine Stadtbibliothek bundesweit zu den besten in ihrer Kategorie und verleiht sie bereits seit 100 Jahren Bücher, dann sind das bereits zwei Gründe, die es zu feiern gilt. Am 16. September 1912 fand in der Göppinger Stadtbibliothek eine erste Buchausleihe statt. Der Göppinger Rabbiner Dr. Aaron Tänzer hatte sie in der Absicht gegründet, um eine "sittliche und geistige Hebung des Volkes" zu erzielen.

100 Jahre später kann die Göppinger Stadtbibliothek auf jährlich 190.000 Besucher und 555.000 Ausleihen zurückblicken, wie Oberbürgermeister Guido Till am Samstagabend in seiner Begrüßung und zum Auftakt einer Jubiläums-Nacht nicht ohne Stolz bemerkte. Gefeiert wurde auf originell kriminelle Weise: eine Krimi-Nacht lang und teilweise im Untergrund. Mit einem filmischen Porträt des Geislinger Regio-Krimi-Schreibers Manfred Bomm fiel der erste (Start)Schuss und den musikalisch finalen Sch(l)uss feuerte das Trio Krimimusik mit jazziger Musik aus den 50er bis 80er Jahren ab.

Dazwischen und in der Hauptsache aber hatten sich die "berühmt-berüchtigten" Krimiautoren Wolfgang Schorlau und Heinrich Steinfels gemeinsam mit dem moderierenden NWZ-Kulturredakteur Marcus Zecha die Aufgabe gestellt, einer interessierten Schar von Jubiläumsteilnehmern literarisch-kriminalistische Aufklärung zu verschaffen. Ob der Gründervater Aaron Tänzer mit einer derartigen Jubiläumsfeier wohl einverstanden gewesen wäre? Moderator Zecha setzt mit seiner Frage auf eine schwerwiegende Spur. Heinrich Steinfels war überzeugt davon, Wolfgang Schorlau weniger. Weil er anzweifelte, dass Krimiautoren zur sittlichen Erbauung im Sinne Tänzers beitrügen.

Rasch stellte sich heraus, dass das Bibliotheksjubiläum keine todernste Angelegenheit werden würde, viel mehr eine Feier mit viel Spürsinn für Witz und feiner Ironie, mit Ausschweifungen und überraschenden Wendungen im Verlauf. War OB Till doch über horrende Benzinpreise zum bezahlbaren Preis an die "geistige (Bücher)Tankstelle der Nation", gelangt und hatten sich die Krimiautoren bei ihren Recherchen über Stuttgart 21 und die überdurchschnittliche Dominaquote in Stuttgart kundig gemacht.

Es war eine durch und durch unterhaltsame Jubiläums-Nacht. Kriminalromane besäßen die Fähigkeit, an breite Bevölkerungsschichten heranzukommen und hielten, was Literatur verspreche, nämlich Spannung, fand Heinrich Steinfels heraus. Spätestens jetzt war die Brücke zwischen Tänzer, Kriminalroman und Jubiläum geschlagen. Auf einem Plakat an der Seite, stand auch zu lesen, dass Bibliotheken Schatzkammern für das Leben seien. Das hätte dann garantiert auch Aaron Tänzer gefallen.