Politik Kreistag entscheidet über Klinik-Abriss

Göppingen / Helge Thiele 21.02.2018
Der Kreistag soll am Freitag den Abriss der Klinik beschließen. Das wäre das Aus für die Pläne von Johannes Krauter.

Rund 45 Minuten hat Landrat Edgar Wolff für den Tagesordnungspunkt „Nachnutzung Altimmobilie Klinik am Eichert“ in der Kreistagssitzung am kommenden Freitag anberaumt. Die Dreiviertelstunde wird über ein  ehrgeiziges Projekt des Göppinger Unternehmers Johannes Krauter entscheiden: Der Geschäftsmann will die bestehende Klinik nach dem Neubau erhalten, sanieren und als Wohngebäude nutzen.

Aus der Bevölkerung hat Krauter dafür viel Zuspruch erhalten, gibt es doch viele Bürger, die sich mit einem Abbruch des elfstöckigen Gebäudes partout nicht anfreunden können. In Politik und Wirtschaft hat Krauter jedoch bisher keine Fürsprecher gefunden. Sowohl die Stadt Göppingen, zuständig für das Baurecht auf dem Eichert-Areal als auch der Aufsichtsrat der Alb-Fils-Kliniken, erteilten der Kauters Idee eine Absage und plädierten klar für einen Abriss. Übermorgen hat der Kreistag das letzte Wort – und soll „gemäß dem gültigen städtebaulichen Konzept“ den Abbruch des Bestandsgebäudes beschließen. Nach der Entscheidung, die in öffentlicher Sitzung im Ausweichquartier Göppinger Stadthalle fällt (Beginn um 14 Uhr), soll Landrat Wolff das Angebot Krauters offiziell ablehnen.

Krauter und der von ihm beauftragte Planer Stefan Boettle, Geschäftsführer des Stuttgarter Architekturbüros CIP GmbH, wollen den Kampf noch nicht aufgeben. Zumal sie die Lage anders sehen. „Die Entscheidung des Kreistags sollte wirklich gut überlegt und abgewogen werden, auch wenn das Votum nur vorläufig ist“, betont Boettle. Denn in einigen Jahren, wenn die neue Klinik stehe, werde der Kreistag über die Abriss-Frage „noch einmal entscheiden müssen“. Boettle ist überzeugt, „dass inzwischen ein Umdenkungsprozess stattfindet und dann auch jene einem Gebäude-Erhalt zustimmen, die beim Beschluss für einen Klinik-Neubau für einen Abriss der bisherigen Klinik plädiert hatten“.

Architekt widerspricht OB Till

Der Architekt aus Stuttgart, der in Göppingen aufgewachsen ist, gibt zu bedenken: „Der Abriss vernichtet viel Geld der Steuerzahler. So etwas müssen Kreispolitiker auch ihren Wählern vermitteln können.“ Die Idee von Investor Johannes Krauter für eine Nachnutzung der Klinik am Eichert sei „zu wichtig für die Entwicklung der Stadt und des Landkreises, um sie vom Tisch zu wischen. Deshalb werden wir weiter an den Plänen arbeiten“.

Den Einwand des Göppinger Oberbürgermeisters Guido Till, einem Erhalt der alten Klinik schon aus städtebaulichen Gründen („Dimensionen wie in Köln-Chorweiler“) nicht zustimmen zu können, lässt Stefan Boettle nicht gelten. Die „ins Feld geführte befürchtete massive Bebauung, vor allem beim Blick von der Stadt auf das Eichert-Areal, muss differenziert betrachtet werden, meint der Architekt. Der Eindruck einer massiven Bebauung werde vielmehr entstehen, wenn die bisherige Klinik tatsächlich abgerissen werde. „Dann werden nämlich das bereits gebaute Parkhaus, die neue Klinik mit den neuen Wohnheimen sowie die im Bebauungsplan schon vorgesehenen Erweiterungsbauten zwischen Parkhaus und neuer Klinik den Eindruck einer massiven Bebauung vermitteln“, ist der Planer überzeugt.

Für Boettle steht fest: „Bleibt die bisherige Klinik stehen, so wird ja ein Teil von ihr schon durch das neue Parkhaus verdeckt. Im Übrigen planen wir eine innovative Fassadenbegrünung, so dass der Baukörper von der Stadt her kaum noch ins Gewicht fallen wird.“ Und selbst an der engsten Stelle betrage der Abstand zwischer alter und neuer Klinik noch 40 Meter. Eine Notwendigkeit, die neue Klinik bei einem Erhalt des Bestandsgebäudes „umzuplanen“, kann Boettle daher „nicht erkennen“.

Völlig andere Zahlen als die Kreisverwaltung präsentiert der Architekt, was die Kosten eines Abrisses der Klinik am Eichert betreffen. In der dem Kreistag im Juli vergangenen Jahres vorgelegten Kostenberechnung zur Entwurfsplanung sind für den Abbruch 8,7 Millionen Euro vorgesehen. Boettle argumentiert so: „Ob in dem Betrag die Deponierungskosten bereits enthalten sind, kann ich nicht sagen. Ich halte das eher für unwahrscheinlich. Hinzurechnen muss man aber noch die Wiederherstellung des Geländes mit einem Patientenpark – da sind wohl elf Millionen Euro vorgesehen, sowie den im Park geplanten Bau des Schulungszentrums für 5,5 Millionen Euro. Deshalb bleiben wir bei unserer Einschätzung, dass der Klinik-Abriss dem Steuerzahler letztendlich zwischen 25 und 30 Millionen Euro kosten wird. Geld, das bei einem Erhalt der bisherigen Klinik eingespart werden kann.“ Für einen Abriss des Altgebäudes müsste auch erst einmal die Akzeptanz in der Bevölkerung gefunden werden, meint Boettle.

Er ist wie Johannes Krauter zudem davon überzeugt, dass die Stadt von der Neunutzung der alten Klinikprofitieren würde – was im Göppinger Rathaus ebenfalls anders gesehen wird. Boettle nennt Göppingen „eine aufstrebende Stadt“, deren Attraktivität noch zunehmen werde. Die Tatsache, dass die Stadt in Faurndau ein neues Baugebiet für 2400 Menschen ausweisen wolle, beweise doch, „wie groß die Nachfrage ist“. Die rund 100 000 Quadratmeter zur Verfügung stehende Fläche im bisherigen Klinikgebäude werde es für den Wohnungs- und Gewerbeimmobilienmarkt geben, „ohne dass neue Flächen versiegelt werden müssen“.

Der Stuttgarter Architekt, zu dessen  Projekten unter anderem der Bau von Porsche-Zentren und Hotels gehörten, betont: „Außerdem wollen wir ja auch noch Räume vorhalten, die die neue Klinik am Eichert eines Tages benötigen wird, zum Beispiel im Schulungsbereich. Das von uns geplante Veranstaltungs- und Konferenzzentrum kann dann von der Klinik für Schulungszwecke mitgenutzt werden.

Kreistag berät in der Göppinger Stadthalle

Tagesordnung Wegen des Abbruchs des alten Sitzungssaals im Landratsamt beraten die Kreisräte am kommenden Freitag, 23. Februar, im Märklinsaal der Göppinger Stadthalle (Nebeneingang Lutherstraße). Themen der öffentlichen Sitzung ab 14 Uhr sind unter anderem Entwicklungen in den Kliniken, die Altimmobilie Klinik am Eichert, die Ausschreibung für das neue Parkhaus beim Landrats­amt, die Planung des Abstellgleises Geislingen und der Seniorenplan.

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