Die Investitionen sollen sich zwischen 15 und 20 Millionen Euro bewegen. Die Kreissparkasse hat sich an der Geislinger Straße, der Gartenstraße und der Marktstraße vier Grundstücke mit einer Fläche  von insgesamt 1500 Quadratmetern gesichert. Noch in der ersten Jahreshälfte 2017 sollen die Bauarbeiten beginnen. „Dann steht der Abriss der Bestandsgebäude an. Läuft alles planmäßig, wird das ZUM im Sommer 2019 eröffnet“, erläuterte Tobias Kocherscheidt, Geschäftsführer der FGI gestern bei einem Pressegespräch den ehrgeizigen Zeitplan.

Momentan läuft ein Architektenwettbewerb mit sechs ausgewählten Planern, die bis September ihre Entwürfe ausarbeiten sollen. Das gesamte Vorhaben werde eng mit der Stadt Göppingen abgestimmt, betonte Dr. Hariolf Teufel, der Vorstandschef der Kreissparkasse.  „Das ist uns sehr wichtig und das erkennt man auch an der Besetzung des Preisgerichts.“

Vergangene Woche waren die Pläne im Göppinger Gemeinderat vorgestellt und bei den Bürgervertretern auf ein positives Echo gestoßen. Noch vor der Sommerpause sollen die Stadträte den Startschuss für die notwendige Bebauungsplanänderung geben.

Gestaltungsbeirat der Stadt ist glücklich über Projekt

Auch der Gestaltungsbeirat der Stadt habe sich bereits mit dem Projekt befasst und dieses begrüßt, sagte Baubürgermeister Helmut Renftle, der an der gestrigen Pressekonferenz in den Räumen der Kreissparkasse teilnahm. „Wir sind sehr froh, dass sich die Kreissparkasse am Bahnhof weiter engagiert“, sagte der Baudezernent. Mit dem Quartier „Zentrum Untere Marktstraße“ entstehe ein „neues Tor zur Stadt“. Die Anbindung der Innenstadt an die Schiene sei „stark im Kommen“ und auch für viele auswärtige Investoren wichtig.

Die Neubaupläne für das Gelände östlich des sanierten Kreissparkassen-Turms fügen sich ein in eine ganze Reihe von Schritten, mit denen das Bahnhofsquartier in den kommenden Jahren aufgewertet werden soll. In Kürze beginnt der Bau der städtischen Tiefgarage, danach soll der Bahnhofsplatz neu gestaltet werden. Bis 2019 soll westlich des Bahnhofs auch das neue Verwaltungszentrum der Stadt fertig sein. Darüber hinaus soll das Postgebäude saniert werden. Und was geschieht mit dem Bahnhofsgebäude selbst? Renftle ist überzeugt, dass die Bahn AG aufgrund der Investitionen im Quartier irgendwann nicht darum herum komme, auch den Bahnhof zu sanieren.

Eine Herausforderung stellt für die Stadt die Baustellenlogistik in dem Viertel dar. „Wir sind gerade dabei, angesichts mehrerer parallel laufrender Vorhaben ein Baustellenmanagement vorzubereiten“, erklärt Renftle. Gemeint ist damit ein Plan, wie und wann die Lastwagen die einzelnen Baustellen anfahren und wo Lagerplätze für Baumaterial angelegt werden können. Der Baubürgermeister sagt aber auch: „Es wird natürlich Einschränkungen im Bereich des Bahnhofs geben.“

Zwei Gebäude an der Ecke Gartenstraße/Marktstraße, darunter das Spielcasino „Grünes Haus“ werden bei den Abriss- und Neubauplänen außen vor bleiben. Die Eigentümer wollten nicht an die Kreissparkasse verkaufen. FGI-Geschäftsführer Kocherscheidt ist trotzdem zufrieden: „Alles, was noch dazu käme, wäre schön. Aber wir können jetzt starten.“

Fakten und Zahlen zum Bauvorhaben

Flächen Geplant sind vier Vollgeschosse plus ein Penthousegeschoss. Im Erdgeschoss sind 1200 Quadratmeter für Handel vorgesehen, im ersten Stock weitere 1200 für Handel und Büros. Im zweiten OG stehen 600 Quadratmeter für Büros und Eigentumswohnungen zur Verfügung, im dritten OG weitere 600 für Wohnungen. Das Dachgeschoss verfügt über 300 Quadratmeter. Angeboten werden sollen in dem Komplex Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen mit Größen zwischen 55 und 100 Quadratmetern.
Gestaltung Architektonisch soll sich das neue Quartier in die Umgebung einfügen. Die auf dem Neubau-Gelände stehenden Häuser werden abgebrochen. Ein Erhalt sei aufgrund des Zustands der Gebäude keine Option gewesen, unterstrich die Kreissparkasse.

Ein Kommentar von Helge Thiele: Göppingen holt auf

In einigen Jahren werden die Göppinger ihr Bahnhofsviertel kaum wiedererkennen. Nach Jahrzehnten des Stillstands haben die Planer der Stadt die Siebenmeilenstiefel angezogen und die dringend überfällige Quartiersentwicklung in Angriff genommen. Angetrieben werden die Göppinger Stadtplaner dabei von der Kreissparkasse, die am Bahnhof kräftig in ihr neues Ensemble und die Sanierung des Turms investiert hat. Darauf will sich das Team um Vorstandschef Dr. Hariolf Teufel jedoch keineswegs ausruhen. Vom kommenden Jahr an entsteht auf Initiative der Kreissparkasse auch östlich der Marktstraße ein neues Quartier, das sich an die Neue Mitte anschließt. Das ist ganz im Sinne der Stadt, die das Viertel zwischen Geislinger Straße und Gartenstraße vom Schmuddel-Image befreien will. Man merkt, dass die Stadt, allen voran Baubürgermeister Helmut Renftle, und die Verantwortlichen des Göppinger Geldinstituts eng und gut zusammenarbeiten.
Man darf gespannt sein, wo zuerst Eröffnung gefeiert wird: im neuen Rathaus am Bahnhof oder im neuen „Zentrum Untere Marktstraße“ – kurz ZUM – der Kreissparkasse. So oder so: Beide Projekte werden das Viertel aufwerten. Hinzu kommen die Tiefgarage und der neue Bahnhofsvorplatz. Sicher werden sich auch Kritiker zu Wort melden. Doch Kritik tut jedem Projekt gut, wenn sie konstruktiv ist und nicht als Rundumschlag gegen die Stadt oder einzelne Personen missbraucht wird. Göppingen macht am Bahnhof auf jeden Fall richtig Dampf.