„Im Bewusstsein, dass 80 Jahre positive Entwicklung, aber auch Enttäuschungen, Misserfolge und finstere Stunden bedeuten“, eröffnete Landrat Edgar Wolff das Landkreisfest im Stauferpark am Samstag. Die finsteren Stunden, auch sie gehörten zum Kreis. Dass sie gerade jetzt zum Jubiläum so tragisch in den Vordergrund traten – auch dies sparte Wolff nicht aus. Gleich zu Beginn bekannte er, dass man erwogen habe, angesichts der Fassungslosigkeit über die tragischen Todesfälle in der Klinik am Eichert, die Veranstaltung abzusagen. Wolff betonte zugleich, die Belegschaft der Klinik verdiene „Vertrauen, Dank und Anerkennung“.

Nichts stand mehr unausgesprochen im Raum. So wurde es möglich, „den Blick zu öffnen, den Landkreis in all seinen Facetten an zwei Tagen kennenzulernen“.

In einer Talkrunde mit Personen, die den Landkreis in unterschiedlicher Weise geprägt haben, wurde über Geschichte und Gegenwart gesprochen: Alt-Landrat Franz Weber, Gudrun Flogaus aus Schlat als erste Bürgermeisterin im Landkreis, Peter Feige, der dem Kreistag über 40 Jahre angehörte, Franz Wenka aus Börtlingen als dienstältester Bürgermeister (seit 1981) sowie Wäschenbeurens Schultes Karl Vesenmaier, der fast ebenso lange amtiert.

Am Stand der Alb-Fils-Kliniken waren Selfies mit drei verschiedenen OP-Motiven sehr beliebt. Daniela Feix von der Öffentlichkeits-Arbeit verstand es bestens, die Passanten zu motivieren, ins rechte Licht zu rücken, Selbstvertrauen für Aufnahmen zu fördern, charmante Gespräche zu führen und nebenbei noch kleine Blessuren mit Pflastern zu versorgen. „Die Idee ist sehr gut“, lobte so auch eine Göppingerin, die bei der Blutdruckmessung am selben Stand auf den Fotoautomat aufmerksam wurde. Natürlich seien die aktuellen Ereignisse immer wieder Thema am Stand, kämen Fragen. Vielen sei es aber ein Bedürfnis positive Rückmeldungen zu geben, von guten Erfahrungen zu berichten, erzählt Pressesprecherin Britta Käppeler am Samstag.

Eine besondere Form der Präsentation der Kreisgemeinden waren die singenden Bürgermeister aus dem Landkreis. Die Reaktionsfähigkeit konnte bei der Kreisverkehrswacht getestet werden, die Polizei machte Vorführungen mit ihrer Reiterstaffel sowie einem hochmodernen Wasserwerfer. Es gab verschiedene Musikaufführungen, eine Koch­show mit Ludwig Heer, Erste-Hilfe-Tipps vom DRK sowie eine Signierstunde von Frisch Auf Göppingen und ein Landkreisquiz. Eine Rettungshundestaffel war im Einsatz. Hilfs- und Rettungsdienste machten Angebote. Städte, Gemeinden, Vereine und Organisationen, die das Leben des Kreises 80 Jahre lang geprägt haben präsentierten sich. Siegerehrungen, Tanz-, Theater- und Filmvorführungen, eine Multivisionsshow, Modenschauen und kulinarische Angebote ließen den Landkreis in all seiner Vielfalt erlebbar werden und von seiner schönsten Seite erscheinen.

So unterschiedlich die Gemeinden, so verschieden waren die Angebote und damit auch das Interesse der Besucher. Dieses sei zwar vorhanden, erzählten Kara Wieget und Stefanie Schwegler vom Handballverein Donzdorf. Sie betrieben den Donzdorfer Stand und informierten mit Broschüren und Blumensamentütchen über Löwenpfade, VHS und Stadt. Was sie nicht bieten konnten, waren Kugelschreiber und dergleichen Streuartikel. Daher sei es etwas schwer, auch neben dem großen gemeinsamen Stand von Eislingen, Ebersbach, Göppingen und Uhingen, der mit attraktiven Angeboten lockte.

Viel Lokalpatriotismus ist bei Ludwig Duschek aus Geislingen zu spüren. Mit seiner Frau wollte er sich das Jubiläumsfest nicht entgehen lassen. Besonders interessierte ihn das Angebot seiner Heimatstadt. Bei Wolfgang Amann am Stand des Albwerks informierte er sich über Elektro-Mobilität. Der Stand fand in Kooperation mit der Kaiser-Brauerei statt, deren Radler mit Sonnenenergie hergestellt wird. Erneuerbare Energie sei eine prima Sache und die Kaiser-Brauerei „einfach gut“, sagt Duschek, nachdem ihn Amann über die zukünftige Form dezentraler Energieversorgung mit Fotovoltaik-Anlagen informiert hatte.

Tausende Besucher: Veranstalter zufrieden


Bilanz  Sowohl der Kreis als Veranstalter als auch der Organisator, die Agentur Staufen-Plus, zeigten sich kurz vor Schluss des Festes zufrieden. Tausende Besucher hätten das Angebot, den Landkreis in all seinen Facetten kennenzulernen, angenommen und Spaß gehabt.

Starker Tag Dass der Sonntag viel besser besucht war als der Samstag, sei üblich, erklärt Staufen-Plus-Geschäftsführer Mario Bayer. Der Landrat habe als Gastgeber das ganze Fest persönlich begleitet und sei ebenso wie die Aussteller sehr zufrieden, so Bayer weiter.

Werfthalle Auf der Bühne der Werfthalle, wo noch wenige Tage zuvor die Stauferfestspiele umjubelt zu Ende gegangen waren, verlieh Wolff seinem Wunsch Ausdruck, dass die Halle auch künftig zur Verfügung stehen möge. OB Till habe darin seine volle Unterstützung.