Im Internet heißt sie bei den meisten Usern nur noch „Das Cellomädchen“. Ihr abrupt von Mitarbeitern des Gemeindevollzugsdiensts beendeter Auftritt auf dem Göppinger Marktplatz am Mittwochmittag ist Stadtgespräch Nummer eins: Verschiedene Beiträge in Facebook zu dem Thema haben zusammen mehrere hundert Kommentare – die Meinungen reichen von Zustimmung zur Vorgehensweise der Ordnungshüter bis zu heller Empörung.

Rechtslage ist klar

Dabei ist die Rechtslage klar, wie Olaf Hinrichsen, Pressesprecher der Stadtverwaltung, erläutert: „Ein Stück Musik von Hand gemacht ist – nach entsprechender Anmeldung – herzlich willkommen, elektronische Verstärker sind es nicht.“ Straßenmusik sei als Sondernutzung beim Referat Verkehr anzumelden. „Das Verbot von Verstärkern resultiert aus massiven Beschwerden in der Vergangenheit, auch ein Standortwechsel nach 30 Minuten wird über die Erlaubnis vorgegeben“, klärt Hinrichsen auf. Das Konzert der Cellistin sei nicht angemeldet gewesen und einen Verstärker habe sie zudem auch noch benutzt.

Beschwerde wegen des Cellos

„Es hat eine Beschwerde gegeben“, berichtet der Rathaussprecher. „Wir machen das nicht von uns aus, aus Jux und Tollerei. Aber wenn sich jemand beschwert, müssen wir etwas unternehmen.“  Allein in dieser Woche seien die Kollegen des Gemeindevollzugsdiensts mehrmals unterwegs gewesen und hätten Musiker ohne Erlaubnis weggeschickt, weil Beschwerden über Straßenmusik vorlagen. Hinrichsen betont aber, dass die Stadt sich bemühe, immer mit Augenmaß vorzugehen: „Wir versuchen ja wirklich, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen.“ Solange es nicht ausarte und sich niemand beschwere, werde mit dem Thema großzügig umgegangen.

Anmeldung ist kostenlos

Geregelt ist alles rund um die Straßenmusik – deren Anmeldung im Übrigen keine Gebühr kostet – in der „Satzung über Erlaubnisse und Gebühren für Sondernutzungen an öffentlichen Straßen“. Diese ist nicht so ohne Weiteres auf der Homepage der Stadt zu entdecken, räumt Hinrichsen ein, verweist aber auf den Lebensalltag: „Woher weiß man schon, welche Rechtsvorschriften bestehen? Wir können die ja nicht überall plakatieren.“

Ins pralle Leben eintauchen

Klar sei aber auch, dass ein zentraler Platz wie der Marktplatz verschiedene Interessen zu vereinbaren habe. „Er ist Treff- und Kommunikationspunkt für Menschen, die sich einfach unterhalten möchten, ohne sich dabei anschreien zu müssen“, sagt Hinrichsen. Er sei aber auch der zentrale Punkt für Leute, „die einfach ins pralle Leben eintauchen und dieses genießen möchten“. Aber für die Menschen in den anliegenden Geschäften, Praxen und Büros sei dort vor allem der Arbeitsplatz – „an dem konzentriert geschafft werden muss, ohne ständig durch laute Musikfetzen, denn mehr dringt üblicherweise nicht in die angrenzenden Räume, gestört zu werden“.

Gastronom will ein Cello-Konzert

Verärgert über den Abbruch des Auftritts zeigte sich gestern ein Göppinger Gastronom, der in seinem Restaurant extra die Hintergrundmusik ausgeschaltet hatte, damit Gäste und Personal das Cello ungestört genießen konnten. Er hat die junge Musikerin nun angeschrieben und sie eingeladen, in seinem Restaurant zu spielen. Eine Antwort steht noch aus.

Der OB hat sich nicht beschwert

Vereinzelt wird in Facebook spekuliert, ob sich wohl ein Beamter aus dem Rathaus über die Musik beschwert habe. Hinrichsen verweist diesen Verdacht ins Reich der Fabeln: „Das war niemand aus dem Rathaus.“ Und der Chef sei es ganz sicher auch nicht gewesen: „Falls Sie konkret auf den ersten Stock mit Blick auf den Marktplatz anspielen – nein, der ist im Urlaub!

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