"Drehe an der Kurbel und vergleiche die Geschwindigkeiten von Antriebszahnrad und angetriebenem Zahnrad", steht auf dem Arbeitsblatt. Kein Problem für die pfiffige Sima, die Technik liebt und später mal Erfinderin von etwas Nützlichem werden will.

Auch Gladion und Nicole kommen gerne in die Technik-AG, um mehr über Winkelmessung, Handhabung von Gewichtsstücken oder den Einfluss eines Hebelarms zu lernen. Was sich wie eine Aufgabe für einen Berufsschüler im Fach Mechatronik liest, füllen vielmehr Mädchen und Jungen im Alter von sieben bis elf Jahren aus. Die Uhland-Grundschule Göppingen hat gemeinsam mit der Technischen Hochschule Esslingen eine Technik-AG ins Leben gerufen und das besondere daran: Junge Gymnasiasten des Freihof-Gymnasiums, alle zwischen 13 und 14 Jahre alt, unterrichten die jungen Technik-Fans. "Wir laufen da als Pilotschule, das Schulamt ist mit im Boot.

Das auch für uns ungewohnte Projekt funktioniert hervorragend, die Kinder haben Spaß beim Experimentieren und Zusammenbauen und nehmen die Unterstützung der Größeren gerne an", freut sich Andrea Honold, Rektorin der Uhland-Grundschule. Schon im Vorfeld hatten sich über 60 Schüler zu dieser freiwilligen Technik-AG angemeldet, doch nur für 32 Kinder, verteilt auf zwei Kurse, war Platz vorhanden. Weit gefehlt, wer dahinter nur eine Bastelstunde vermutet.

Die beiden Professoren Wolfgang Coenning und Helmut von Eiff von der Hochschule Esslingen haben ein spannendes Konzept mit technischen und mathematischen Optionen für die Grundschüler entwickelt. "Gearbeitet wird mit Lego-Education. Diese Baukästen enthalten einzigartige Lösungen und bringen mit einfachen Maschinen in Form von Hebel, Getriebe, Lenkung mehr Innovation und Kreativität in den Unterrichtsalltag", sind sich die Fachleute einig.

Die betreuenden Kolleginnen Nina Mozer-Neuschwander und Brigitte Kissling, die freilich nur beratend zur Stelle stehen, wurden wie die sechs Siebtklässler des Freihof-Gymnasiums seitens der Heldele-Stiftung in den technischen sowie mathematischen Arbeitsschritten geschult.

"Meine Schüler sind stolz wie Oskar, den Jüngeren etwas beizubringen. Nachdem wir schon ab der sechsten Klasse Naturwissenschaft und Technik unterrichten, sind sie schnell und mit großem Spaß in die Rolle des Lehrers geschlüpft", verrät Freihof-Gymnasium-Schulleiter Günter Roos und freut sich über den Zugewinn auf allen Seiten.

Die frischgebackenen "Referendare" Steffen, Moritz, Johannes, Lena und Sabrina geben gerne ihr Wissen weiter und versuchen, alles mit Geduld zu erklären. "Manchmal sind sie ein wenig unkonzentriert und hibbelig, aber das legt sich schnell wieder. Wenn sie zu zweit an einer Aufgabe arbeiten, klappt das ganz gut", lautet ihr Resümee.