Die Zeichen, die auf einen Konjunktureinbruch hindeuten, lassen sich auch im Landkreis nicht mehr übersehen. Autozulieferer wie Schuler in Göppingen und Allgaier in Uhingen begegnen der sich rapide verschlechternden Auftragslage mit Personalabbau. Werkzeugmaschinenhersteller wie MAG, Stama und Emag stellen sich nach Angaben der Industriegewerkschaft Metall auf Kurzarbeit im nächsten Jahr ein.

„Für uns ist das kein Problem, sondern ein normaler Vorgang“, sagt dazu der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Göppingen-Geislingen, Martin Purschke. „Eigentlich ist Kurzarbeit etwas Gutes“, betont der Gewerkschafter und verweist auf den IG-Metall-Slogan „Wir entlassen Stunden, statt Menschen“. Nur so ließe sich die Durststrecke für die Unternehmen sinnvoll überwinden, meint Purschke, der im Übrigen zuversichtlich ist: „Bereits 2020/21 wird das wieder stark anziehen, weil die Autohersteller irgendwann wieder investieren müssen.“ Es sei wichtig, die Leute zu halten, weil man so, wenn nötig, die Produktion schnell wieder hochfahren könne

Schwieriger Ausblick bei ordentlicher Auftragslage

Momentan ist die Auftragslage nach den Worten des IG Metallers ordentlich. Nachdem die Autohersteller ihre neuen Maschinen meist noch im laufenden Geschäftsjahr abrechnen wollten, sei bei manchen Unternehmen vor Jahresende sogar ein kurzzeitiger Produktionsanstieg zu beobachten. Der dürfte nicht allzu lange anhalten. „Spätestens im nächsten Jahr wird die Auftragslage bei allen Werkzeugherstellern einbrechen, so Purschke.

Schwächelndes Wachstum hinterlässt Spuren auf dem Arbeitsmarkt

Tatsächlich hinterlässt das schwache Wachstum schon jetzt  erste Spuren auf dem Arbeitsmarkt.  Das bestätigt der aktuelle Monatsbericht der Agentur für Arbeit. Im Landkreis waren im Oktober 5121 Menschen ohne Arbeit – und damit 120 weniger als im September, aber 657 mehr als im Vorjahr. In der Industrie wirkten sich weltpolitische Unsicherheiten auf die Betriebe aus, sagt Thekla Schlör, Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur. Auch die Göppinger IHK stellt einen „dramatischen Auftragseinbruch bei der Industrie“ fest, wie Gernot Imgart bestätigt. Der leitende Geschäftsführer weist aber darauf hin, von welch hohem Niveau dieser erfolge. „Die Industrie war über Jahre an ihrer Kapazitätsgrenze“, bilanziert der IHK-Chef die vergangenen zehn Jahre. „Der Aufschwung hat 2009 begonnen und bis zuletzt angehalten.“

Rezession unwahrscheinlich

Die IHK-Konjunkturumfrage für den Herbst kommt zu dem Ergebnis, dass die Skepsis unter den Unternehmern im Landkreis zunimmt. Zwar rechne die Wirtschaft nicht mit einem Abgleiten in die Rezession. Die Abwärts­risiken seien aber weiterhin beträchtlich, so die Studie.

Zu ganz ähnlichen Schlüssen kommt die IHK-Region Stuttgart bei ihrer Umfrage unter 800 Betrieben aller Branchen und Größenklassen im Großraum Stuttgart. „In der Region zeichnet sich ein spürbarer konjunktureller Abschwung ab“, so die Studie, die dafür unter anderem den Brexit sowie Handelskonflikte der USA mit China und der EU verantwortlich macht. Darunter leidet der Export. Eine weitere Ursache sieht die IG-Metall im Verhalten der Automobilindustrie. „Das Problem ist, dass die Autohersteller Investitionen zurück halten, weil sie nicht wissen, wie es mit den alternativen Antrieben weiter geht“, so der IG-Metall-Bevollmächtigte Martin Purschke.

Offenbar hat dies Folgen für die gesamte Wirtschaft. Die IHK-Präsidentin Marjoke Breuning ist sich sicher: „Inzwischen spüren außer dem Bereich Information- und Telekommunikation alle Branchen die Auswirkungen der schwächelnden Industrie.“

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IHK-Herbst-Umfrage Von den befragten Unternehmern aller Wirtschaftszweige erwarten 32,3 Prozent dass, die Geschäftsentwicklung schlechter wird. In der Region Stuttgart sind es 29,9 Prozent. Dass sie besser wird, meinen 24,4 Prozent, in der Region sind es nur 18,3 Prozent. Davon, dass die Geschäftsentwicklung gleich bleibt, gehen 43,4 Prozent der Befragten aus, in der Region sind 51,8 Prozent. Bei der Umfrage im Frühsommer betrachteten noch 56,5 Prozent die Geschäftslage als gut, im Herbst waren es 30 Prozent. Die Geschäftslage sei schlecht, sagten im Herbst 15 Prozent der befragten Unternehmer, im Sommer waren es gerade einmal 2,9 Prozent.