Ulm / HELGE THIELE  Uhr
Man sollte den Begriff „Skandal“ nicht überstrapazieren. Doch wer beschreiben will, wie Justiz und Innenministerium mit den beiden Göppinger Polizeichefs Hans Baldauf und Rainer Eitle umgegangen sind, kommt um den Begriff nicht herum.

Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis die beiden Polizeibeamten vollständig rehabilitiert wurden. Erst ging eine halbe Ewigkeit ins Land, bis die Staatsanwaltschaft Ulm ihre strafrechtlichen Ermittlungen gegen Baldauf und Eitle eingestellt hat. Dann setzte das Innenministerium in Stuttgart noch eins drauf und ließ die beiden Führungskräfte monatelang zappeln, obwohl bereits Anfang April klar war, dass auch die disziplinarrechtlichen Ermittlungen ohne Befund eingestellt werden.

Weshalb das Ministerium bis zur Mitte der Sommerferien gewartet hat, bis es die Einstellungsverfügungen mit wenigen dürren Sätzen bekannt gab, bleibt das Geheimnis der Behörde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, denn viele Menschen sind derzeit verreist. Womöglich will das Ministerium es gar nicht an die große Glocke hängen, dass weder Baldauf noch Eitle auch nur der Hauch eines Dienstvergehens nachzuweisen war.

Was nach der Affäre, in der sich weder die Staatsanwaltschaft Ulm noch das Ministerium mit Ruhm bekleckert haben, bleibt, ist ein recht bitterer Nachgeschmack. Natürlich muss der Staat Vorwürfen auf den Grund gehen, auch wenn diese, wie bei Baldauf und Eitle geschehen, auf feige Art – nämlich anonym – geäußert werden. Doch Ermittler müssen nicht ein Jahr lang mit Kanonen auf Spatzen schießen, wenn sie schnell merken, dass die ehrabschneidenden Vorwürfe nicht aufrechtzuerhalten sind.

Der Skandal, der wie von vielen erwartet, mit der kompletten Entlastung der zwei Polizeichefs endete, ermuntert im schlimmsten Fall jene, die ebenfalls einen unbeliebten Vorgesetzten oder Arbeitskollegen loswerden wollen. Sie müssen offenbar genauso vorgehen wie die unbekannten Denunzianten im Fall Baldauf und Eitle. Insofern haben Justiz und Ministerium allen Führungskräften im Land einen Bärendienst erwiesen.