Kommentar Wangen: Tiefe Gräben vor der Wahl

Wangen / Helge Thiele 01.02.2018
Was ist los in Wangen? Wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl tobt im Ort eine heftige Auseinandersetzung. Der Amtsinhaber wird mit vielen Vorwürfen konfrontiert. Die Gräben sind tief.

Beobachter reiben sich vor der Bürgermeisterwahl am Sonntag in Wangen verwundert die Augen: Was ist   los in der Gemeinde? Wahlplakate des Bürgermeisters Daniel Frey werden verunstaltet. Sieben Gemeinderäte, das ist die Hälfte des Gremiums, verteilen einen Brandbrief im Ort, gespickt mit Kritik und Vorwürfen gegen den Amtsinhaber. Darüber hinaus werden weitere Anschuldigungen gegen Frey kolportiert. Dieser wehrt sich und fühlt sich ungerecht behandelt.

In Wangen brodelt es. Einen solchen Wahlkampf hat es im Landkreis lange nicht gegeben. Für Außenstehende ist es in diesen Tagen schwierig, den Überblick zu behalten, zwischen Wahrheit und Gerücht zu trennen, zu verstehen, wer mit wem nicht mehr kann und warum.

So viel steht fest: Daniel Frey, der sich am Sonntag zur Wiederwahl stellt und es dabei mit zwei ernst zu nehmenden Herausforderern zu tun hat, hat in den vergangenen acht Jahren offenbar einige Dinge falsch gemacht. Der amtierende Schultes hat seine Fehler entweder nicht erkannt oder deren Auswirkungen auf die Stimmungslage im Ort unterschätzt. Ob es trotzdem neben dem jetzt zutage getretenen massiven Protest auch eine  – bisher schweigende  – Mehrheit gibt, die mit der Arbeit Frey zufrieden ist und dies am Sonntag mit einem Kreuz in der Wahlkabine zum Ausdruck bringen wird, bleibt abzuwarten. Es wird spannend.

Doch unabhängig vom Wahlausgang werden die Wangener und Oberwäldener, werden der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung nach dem Urnengang alle Hände voll damit zu tun  haben, um das Geschehene aufzuarbeiten, Fehler und Versäumnisse zu analysieren und im besten Fall für ein neues, harmonischeres Zusammengehörigkeitsgefühl im Ort zu sorgen.  Sollte Daniel Frey Bürgermeister bleiben, wird er überlegen müssen, wie er diese Aufgabe angehen will und ob er sich das zutraut. Sollte einer seiner Herausforderer gewinnen, müsste auch der neue Chef im Rathaus einen Prozess anstoßen, um die klaffenden Wunden in der Dorfgemeinschaft zu heilen. Denn an einem allein liegt’s bekanntlich nie.

Die Gemeinderäte, die jetzt kurz vor dem Wahltag so vehement gegen Frey Stellung beziehen, müssen sich zum Beispiel die Frage gefallen lassen, warum sie das offenkundige Zerwürfnis nicht schon viel früher in der Öffentlichkeit thematisiert haben. Zeit genug wäre dafür in der Vergangenheit gewesen.