War es nur naive Gedankenlosigkeit, war es Wichtigtuerei oder gar Boshaftigkeit? Wie auch immer es dazu kam: Das von Mitarbeitern der Drogeriemarktkette Rossmann von einem Monitor in einer Göppinger Filiale abgefilmte Überwachungsvideo hat rasend schnell seinen Weg ins Netz gefunden und wird wohl auch nie mehr komplett zu löschen sein. Was es zeigt, ist äußerst unappetitlich: Ein junger Mann steht masturbierend hinter Kundinnen des Markts, die ganz offenbar gar nicht mitbekommen, was da hinter ihnen passiert.

Die Polizei hat den 24-Jährigen bereits identifiziert und ermittelt weiter. Bislang geht es lediglich um den Straftatbestand Erregung öffentlichen Ärgernisses. Das hindert hunderte, wenn nicht gar tausende Nutzer nicht daran, die zwei Filmschnipsel massenhaft im Netz zu verbreiten. Mal als angeblichen Fahndungsaufruf, mal zur „Information“, dann wieder, um sich bei Angela Merkel „zu bedanken“ oder um die Abschiebung, Genitalverstümmelung oder noch grausamere Strafen für den mutmaßlichen Täter zu fordern. Und natürlich wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass es sich bei dem jungen Mann  um einen Flüchtling handelt. Das bestätigen weder die Polizei noch sonst irgendwer.

Was zeigt dieser krasse Verstoß gegen den Datenschutz? Eine ganze Menge. Da ist einmal das nicht vorhandene Unrechtsbewusstsein. Es geht um den Täterschutz und vor allem um den Opferschutz: Hat irgendjemand die zwei Frauen gefragt, ob sie mit der Veröffentlichung einverstanden sind? Denn nicht nur der Täter wird verbal angegriffen, auch die Frauen sind nun der Lächerlichkeit preisgegeben, werden im Netz verhöhnt, verspottet, beschimpft.

Datenschutz und Persönlichkeitsrechte sind keine Lappalie. Es sind Regeln in einer zivilisierten Gesellschaft, die wir uns aus gutem Grund gegeben haben, die eine Demokratie von einer Diktatur unterscheiden. Verstöße dagegen fallen ganz gewiss nicht unter das Recht auf freie Meinungsäußerung, das hier manche der Facebook-Nutzer für sich in Anspruch nehmen wollen. Der Fall zeigt aber noch etwas anderes: Gedankenlos sensible Bilder oder Filme weiterzuleiten, ist verantwortungslos. Niemand weiß, wer Schindluder damit treibt, wo sie schließlich auftauchen. Vielleicht hat eine Mitarbeiterin des Drogeriemarkts das Video nur einer Freundin per Whatsapp geschickt. Doch damit war es für immer in der Welt.