War es wirklich nötig, die Kinder wegen eines Wintersturms vom Schulbesuch abzuhalten, pauschal vor Aufenthalten im Freien abzuraten oder den Schienennahverkehr in der Region fast einen halben Tag lang lahmzulegen, obwohl längst nicht alle Strecken durch dichte Wälder führen? Vor der Jahrtausendwende hätte man derlei Vorsichtsmaßnahmen wohl lauthals als „wehleidig“ bezeichnet und „deutsche“ Nehmerqualitäten im Stil eines Firat Arslan eingefordert.

Die 80er Jahre sind schon lange vorbei

Anders in den 20er Jahren des 21. Jahrhunderts: Rücksichtnahme, Behutsamkeit und andere Soft Skills sind nicht nur im Berufsleben Trumpf, sondern auch im öffentlichen Raum. Mit querliegenden oder umknickenden Bäumen ist auf Landstraßen schließlich nicht zu spaßen. Die Windgeschwindigkeiten an der Wetterstation Stötten waren mit bis zu 129 km/h extrem. In Ulm wurde das Dach eines alten Fabrikgebäudes abgedeckt, in dem die Kriminalpolizei untergebracht ist. In Süßen riss der Sturm ein gläsernes Oberlicht von einem Schulgebäude.

Medienhysterie und verbale Übertreibungen sind sicher fehl am Platz, doch im Kern hatten die Unwetterzentralen mit ihren dramatischen Hinweisen nicht unrecht. In diesem Sinn sei in den nächsten Tagen vor Waldspaziergängen unter morschen Ästen gewarnt. Man denke nur an den Orkan Lothar von 1999.

Sturmtief im Alb-Donau-Kreis und Kreis Neu-Ulm Weitere Sachschäden wegen starker Böen

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