Göppingen KOMMENTAR KUNSTHALLE: Blühe, Mauerblümchen!

Göppingen / ARND WOLETZ 30.07.2014
Die Göppinger Kunsthalle braucht sich vor niemandem zu verstecken. Bei moderner Kunst zählt sie zu den Top-Adressen in Deutschland. Doch schamhaft, ja ärmlich, versteckte sie sich bisher im Weichbild der Stadt. Ein seltsamer Widerspruch.

Die These sei erlaubt, dass die Einrichtung deutlich höhere Besucherzahlen hätte, böte sie sich den Göppingern im Alltag optisch präsenter dar.

Um ein größeres Publikum anzulocken, muss sie ihr architektonisches und städtebauliches Mauerblümchen-Dasein beenden - so gut es geht. Ein oft diskutierter Umzug der Galerie ist längst vom Tisch. Deshalb ist es nur konsequent, neben dem Foyer nun auch das Umfeld am alten Standort aufzuwerten. Ein zugeparkter, ehemaliger Schulhof im Hintergrund des Technischen Rathauses ist einfach kein Entree für einen Kunsttempel, der auf großen Publikumszuspruch für eine Schau der klassischen Moderne hofft.

Die Chagall-Ausstellung ist der richtige Zeitpunkt, das Aushängeschild wenigstens ein bisschen besser sichtbar zu machen. Gut, dass das Großereignis in eine Zeit fällt, in der den Göppinger Stadträten die Spendierhosen wieder besser passen - wie andere aktuelle Millionenvorhaben zeigen.

Oft ist die Rede von weichen Standortfaktoren einer Stadt. Göppingen gibt sich das Etikett Sportstadt oder familienfreundliche Kommune. Warum soll die Stauferstadt nicht auch ihren guten Ruf als Stadt der Kunst noch weiter ausbauen?