KOMMENTAR KIRCHENSTREIT: Die Gläubigen wurden vergessen

JOA SCHMID 20.03.2013
Von der Aufbruchstimmung der Katholiken in aller Welt ist in Göppingen zur Zeit nur wenig zu spüren. Der neue Papst Franziskus sorgt zwar auch in der Hohenstaufenstadt für Begeisterung, doch die Freude ist zumindest in der Kirchengemeinde St. Maria getrübt.

Der Streit um angebliche Misswirtschaft in der Stiftung St. Stephanus, in dessen Mittelpunkt nach wie vor Gesamtkirchenpfleger Georg Kolb und Pfarrer Jürgen Sauter stehen, droht zu eskalieren. Der Pfarrer wirft enttäuscht und tief verletzt das Handtuch, der Kirchengemeinderat droht öffentlich mit Rücktritt und die Diözese wäscht ihre Hände in Unschuld. Irgendetwas ist schief gelaufen. Doch was? Die Vermutung, dass das Konfliktmanagement dem Ernst der Lage nicht angemessen war, dürfte mittlerweile auch in der Diözese grassieren. Zurecht. Tatsächlich haben die Schlichtungsgespräche offenbar genau so wenig gebracht wie die Umstrukturierung der Arbeitsfelder, die die beiden Hauptkontrahenten befrieden sollte.

Die Diözese hat die Rechnung ganz offensichtlich ohne den Wirt gemacht: Die Gläubigen und die ehrenamtlichen Kirchengemeinderäte wurden dabei schlicht vergessen. Die Quittung dafür hat die Kirchenleitung jetzt bekommen: Durch die Göppinger Kirchengemeinde zieht sich ein Riss, der nur schwer zu kitten sein wird. Deshalb kann der so sehnlich herbei gewünschte Neuanfang nur gelingen, wenn er den Rückhalt der Mitglieder der Kirchengemeinde hat.