KOMMENTAR · STADTPOLITIK: Der Schmerz der Freien Wähler

HELGE THIELE 19.04.2012

Die Freien Wähler im Göppinger Stadtparlament kennen keinen Fraktionszwang. Und auch sonst geht es bei ihnen recht großzügig zu. Doch bei aller Toleranz gibt es eine Schmerzgrenze, die für mehrere Fraktionsmitglieder erreicht zu sein scheint. Den Freien Wählern, allen voran Fraktionschef Wolfram Feifel und Wolfgang Berge, stinkt es gewaltig, dass ihr Kollege Joachim Hülscher sein Mandat im Gemeinderat immer wieder gezielt einsetzt, um seine Abneigung gegenüber Oberbürgermeister Guido Till zum Ausdruck zu bringen. Und dies mitunter so deutlich, dass der Rest der Fraktion am liebsten im Erdboden versinken würde.

Nun steht es einem gewählten Bürgervertreter selbstredend zu, den Rathauschef und die Verwaltung zu kritisieren. Doch, was Hülscher betrifft, haben dessen Wortmeldungen und der Ton, mit dem sie zuweilen vorgetragen werden, viel mit der Vergangenheit zu tun. Hülscher war in seiner Zeit als Göppinger Baudezernent nicht OB Tills Freund - und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Hülscher sich von dieser Zeit noch nicht gelöst hat. Die Fraktion der Freien Wähler findet allerdings, alte Rechnungen dürften nicht auf ihre Kosten beglichen werden.

Anders als von manchem vor Ostern vermutet, wird es in der Fraktion trotzdem vorerst keinen Austritt und keinen Ausschluss geben. Doch das kann sich ganz schnell ändern, wenn der Zoff von neuem beginnt.