KOMMENTAR · RAZAVI: Raum für Mutmaßungen

DIRK HÜLSER 16.01.2014

Ganz klar: Nicole Razavi tut nichts Verbotenes, wenn sie ein Unternehmen berät, das auch bei Stuttgart 21 involviert ist. Sie hat dies auch veröffentlicht, macht kein Geheimnis draus. Die Frage ist nur, ob alles, was korrekt ist, auch richtig ist.

Razavi ist nicht zuletzt deshalb bekannt, weil sie eine vehemente Verfechterin des Stuttgarter Milliardenprojekts ist, die mit den Gegnern nicht gerade zimperlich umgeht - verbal. Dass sich dann der eine oder andere natürlich die Frage stellt, warum ausgerechnet sie die Bremer Tochtergesellschaft eines niederländischen Ingenieur-Dienstleisters berät, der mit S 21 etliche Millionen Euro Umsatz generiert, liegt auf der Hand. Ob es nun wegen des "Sachverstands" ist, wie Razavi vermutet, oder aufgrund der Empfehlung einer privaten Bekanntschaft, wie die Geschäftsführerin des Unternehmens sagt, sei dahingestellt. Das Engagement mutet jedenfalls etwas seltsam an.

Sicher denken die Bremer nicht, dass sie via Razavi an Aufträge kommen, wie auch? Doch es bleibt Raum für vielerlei Mutmaßungen und Gerüchte - und das ohne Not. Denn dass Razavi im Beirat des örtlichen Alb-Elektrizitätswerks sitzt, kann jeder nachvollziehen. Ihr Engagement im hohen Norden für eine Gesellschaft, die auch in Stuttgart Geschäfte macht, nicht unbedingt. Oder bereitet sich nach dem Wechsel des CDU-Abgeordneten Dietrich Birk zu einem Lobbyverband hier die nächste Politikerin auf den Seitenwechsel vor?