KOMMENTAR · POLIZEIEINSATZ: Befremdlich

HELGE THIELE 10.08.2012

Wie hätten Sie reagiert, wenn Sie plötzlich jemanden sehen, der maskiert und vermeintlich schwer bewaffnet durch die Straßen zieht? Sie hätten sicher die Polizei alarmiert - und völlig richtig gehandelt. Es hat nichts mit übertriebener Ängstlichkeit oder Panikmache zu tun, in einem solchen Fall auf Nummer sicher zu gehen und vom schlimmstmöglichen Fall auszugehen. Die Polizei ist auf die Wachsamkeit der Bürger angewiesen. Und lieber ein Fehlalarm als eine gefährliche Situation, die nicht als solche erkannt wird.

Erschreckend ist an dem aktuellen Fall in Böhmenkirch aber etwas ganz anderes: Was bedeutet es, wenn ein Kind mit Sturmhaube und Gewehrattrappe in geduckter Haltung durch den Ort schleicht? Ist das noch ein normales Spielverhalten? Kinder neigen dazu, zu imitieren, was sie - im Fernsehen oder heutzutage im Internet - sehen und erleben, aber von ihrer Entwicklungsstufe her noch nicht so einordnen können wie Erwachsene. Schon in früheren Zeiten spielten Kinder Räuber und Gendarm oder Cowboy und Indianer - für Aufregung hat das nicht gesorgt - trotz des ernsten und mitunter tödlichen Hintergrunds, den diese Konfrontationen in der Wirklichkeit besaßen.

Mit Blick auf die Schreckensnachrichten von Amokläufen verstörter Einzeltäter sorgt aber ein Vorfall wie in Böhmenkirch für Befremden und führt unwillkürlich zu der Frage, was in der Erziehung des Zehnjährigen bisher falsch gelaufen ist.