KOMMENTAR · PARTEIAUSTRITT: Logische Konsequenz

JOA SCHMID 24.04.2012

Wenn einer die Bibel zum Parteiprogramm gegen Schwule und Lesben machen will, dann hat er in der FDP nichts zu suchen. Insofern ist der mit großem Gepolter verbundene Austritt von Georg Gallus nur folgerichtig. Die Frage ist eigentlich, warum der streitbare Ex-Staatssekretär aus Hattenhofen so lange mit diesem Schritt gewartet hat.

Immerhin gehörte die Gleichberechtigung von Minderheiten - auch der homosexuellen - schon immer zu den Kernthemen der Liberalen. Daran ändert nichts, dass die FDP ihr Selbstverständnis als Bürgerrechtspartei zeitweise anderen vermeintlich wichtigeren Themen untergeordnet hat. Immerhin haben die Freidemokraten einen Mann erst zum Vorsitzenden und dann zum Außenminister gemacht, der mit einem Mann zusammenlebt. Mit seiner Auffassung, Homosexualität sei Sünde, und seinem antiquierten Familienbegriff dürfte Gallus im Zeitalter von Patchwork-Family und allen erdenklichen anderen Lebensgemeinschaften in der FDP zurecht ziemlich allein dastehen, zumal er dies auch noch mit der Bibel begründet. Besonders gottesfürchtig war die FDP selten. Es sei nur erinnert an die Forderung nach einer strikten Trennung von Kirche und Staat in den siebziger Jahren.

Sicher hat Gallus Recht, wenn er sagt, Menschen, die ein Kind adoptieren wollen, müssen vorher einer strengen Prüfung unterzogen werden. Das gilt aber für hetero- genau so wie für homosexuelle Paare.