KOMMENTAR · KLEINKINDERBETREUUNG: Wo Krippen zur Gefahr werden

DANIEL GRUPP 09.02.2012

Wie verquer muss man denken, wenn einen der Ausbau der Kleinkinderbetreuung, wie ihn derzeit viele Kommunen im Kreis vornehmen, an die DDR erinnert? Wieso vergleichen die "Christdemokraten für das Leben" das hiesige System nicht mit Schweden oder Frankreich, wo solche Betreuungsangebote selbstverständlich sind?

Wenn die Argumente schwach sind, muss offenbar das Feindbild stimmen. Und die Argumente der CDL-Vertreter sind teilweise hanebüchen. Der Ausbau der Krippen berge gesellschaftliche Gefahren, behauptet die Kreisvorsitzende Maria Wiedebach - wohlgemerkt schon der Ausbau, nicht erst die Betreuung in den Krippen. Dann fordert die CDL eine "tatsächliche Wahlfreiheit bei der Kleinkinderbetreuung". Diese besteht für viele Familien tatsächlich nicht, weil es viel zu wenig U3-Betreuungsplätze gibt. Dies versteht die CDL aber nicht unter Wahlfreiheit, geredet wird vielmehr von einem "gesamtgesellschaftlichen Klima, das de facto nur noch Fremdbetreuung zulasse". Als ob sich die Menschen nicht mehr trauen würden, ihre Kleinkinder in der Familie zu betreuen. Darauf muss man erst einmal kommen.

Würde die CDL-Position Politik, heißt dies nichts anders als "Frauen zurück an den Herd". Mit ihrer Position macht sich die CDL zudem unglaubwürdig in ihrem Kampf gegen die Abtreibung. Denn ein gutes Betreuungsangebot wird es einer schwangeren Frau erleichtern, sich für das Kind zu entscheiden.

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