KOMMENTAR · KATHOLISCHE KIRCHE: Nur Rom gibt neue Wege vor

DANIEL GRUPP 15.06.2012

Vor 40 Jahren hatte fast jede katholische Kirchengemeinde ihren Pfarrer, in manchen Orten, etwa in Donzdorf, unterstützte oft noch ein Vikar die Seelsorge. Aber schon damals ging die Aufbruchstimmung wieder zurück, die das 2. Vatikanische Konzil in die Papstkirche gebracht hatte. Die jährliche Zahl der Kirchenaustritte in der Diözese hat sich seither verdoppelt. Immer weniger Katholiken sind bereit, Priester zu werden.

Auf den Schwund hat die Kirche mit der Zusammenfassung von Kirchengemeinden in Seelsorgeeinheiten reagiert. Der Pfarrer im Dorf war nicht mehr die Regel, er wurde zur Ausnahme. Was - nebenbei bemerkt - auch zum Verlust der dörflichen Identität beiträgt, weil seither oft auch Postämter, Banken, Kneipen, Bäcker und selbst Telefonzellen aus den Dörfern verschwunden sind.

Jetzt ist die römische Kirche nicht einmal mehr in der Lage, alle Seelsorgeeinheiten mit Pfarrern auszustatten, wie sich im Dekanat zeigt. Engagierte Diakone und Laien können aber den Pfarrer nicht ersetzen, weil die ganze Struktur der Amtskirche auf den Priester ausgerichtet ist, der predigt, Sakramente spendet und die Gemeinde leitet. Selbst wenn das Bistum jetzt versucht, die Pfarrer zu entlasten, indem andere Gemeindemitglieder mehr Verantwortung übernehmen, ist dies nur ein Behandeln von Symptomen. Neue Wege kann der Katholischen Kirche nur Rom vorgeben. Das ist unter Benedikt XVI. nicht zu erwarten.