KOMMENTAR · FUSSBALL-EM: Feiern ja, aber mit Hirn

HELGE THIELE 11.06.2012

Es ist eine tolle Sache, wenn Fußball-Fans gemeinsam bangen und hoffen, feiern und jubeln. Die Polizei im Landkreis hat nach dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft bei der Europameisterschaft den Anhängern ein überwiegend gutes Zeugnis ausgestellt. Abgesehen von zwei Streitereien mit zwei Leichtverletzten beim Public Viewing in der EWS-Arena verlief der Fußball-Abend friedlich.

Doch bei aller Begeisterung darüber, dass in den kommenden Wochen das Runde wieder ins Eckige muss, gibt es zwei Dinge, die ziemlich anstrengend und nervig sind: Zum einen ist das die Angewohnheit vieler Fans, vom ersten Turniertag an jeden Sieg zu feiern, als habe ihr Team gerade den Titel gewonnen. Gegen Hupkonzerte und Jubelfahrten ist generell nichts einzuwenden, doch muss es den Autokorso schon nach einem mühsam-glücklichen 1:0 im ersten Gruppenspiel geben? Muss dabei gleich der Kreisverkehr an der EWS-Arena blockiert werden? Hier wird man den Eindruck nicht los, dass manch einer den Fußball nur benutzt, um auf den Straßen mal ordentlich die Sau raus zu lassen. Und auch die Angewohnheit vieler Fans, ihren Müll einfach an Ort und Stelle fallen und liegen zu lassen, spricht nicht gerade für ein großes Verantwortungs- und Umweltbewusstsein.

Erst Emotionen machen Sportereignisse zum Erlebnis. Und so eine EM macht richtig Spaß. Aber auch in der kollektiven Freude darf man getrost weiter sein Hirn benutzen.