KOMMENTAR · FILM: Kinolandschaft mit Profil

MARCUS ZECHA 01.03.2012

Göppingen hat wieder eine Kinolandschaft mit Profil. Zu verdanken ist dies vor allem dem Engagement einiger Cineasten, die irgendwann genug hatten von Popcornfilmen. Stattdessen zeigen sie, etwa im Kommunalen Kino Open End, selten zu sehende Klassiker, oder, bei K3 im Staufen-Kino, Perlen wie "Nader & Simin" - wohlgemerkt: Wochen vor der Oscar-Prämierung des iranischen Films.

Dabei sah es vor zehn Jahren düster aus, was die Zukunft des anspruchsvollen Kinos anging. 2002 schloss das mehrfach ausgezeichnete Eislinger Schlosstheater. Eine schmerzhafte Lücke entstand. Überall verdrängten Multiplex-Kinos kleinere Kinos, die Beteuerungen der neuen Betreiber, mit der Vielzahl bespielbarer Säle seien ja auch mehr Qualitätsfilme zu sehen, erwiesen sich zunächst als leere Versprechungen. Wer gutes Kino abseits des Mainstream schauen wollte, musste oft weit fahren.

Längst hat die Digitalisierung das Kino vollends erfasst. Nach den Filmpalästen der 50er Jahre verschwanden die analogen Vorführgeräte. Dafür ist die DVD schon wegen des günstigen Preises aus vielen kleinen Kinos nicht mehr wegzudenken. Videoabende mit Beamer sind nicht länger verpönt, die Grenze zwischen aufgemotztem Heimkino und Kinosaal verwischt zusehends.

Sicher: Viele werden weiter dem guten alten Filmtheater mit zwei Rängen und Projektorknattern nachtrauern. Doch es gibt eben auch Vorteile der Entwicklung: Endlich kann man wieder kostengünstig mit Gleichgesinnten Filme voll Esprit und Tiefgang sehen, ohne deswegen nach Stuttgart fahren zu müssen. Der Erfolg des Kino-Klubs K3 mit hunderten Zuschauern, aber auch das anspruchsvolle wöchentliche Programm von Open End zeigt: Es gibt wieder eine Göppinger Kinolandschaft abseits von Iron Man und Twilight-Saga. Das allein ist in der heutigen Medienlandschaft schon ein Erfolg.