Das Mitleid mit Klaus Riegert ist verständlich, aber es darf sich in Grenzen halten. Der 53-Jährige, der den Wahlkreis Göppingen seit 1994 als direkt gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag vertritt, hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Basis in Bad Überkingen für einen Neuanfang stimmte. Menschlich absolut integer und für viele ein Freund, erschien Riegert der neuen Mehrheit in der CDU trotz seines großen sozialen Engagements über die Jahre hinweg zu blass, um in Berlin das Maximale für den Landkreis herauszuholen.

Das in seinen innerparteilichen Auswirkungen nicht zu unterschätzende Trauma der verlorenen Landtagswahl tat ein übriges dazu, dass die Karten neu gemischt wurden und Riegert trotz seiner fast flehentlich anmutenden Bewerbungsrede nicht mehr zum Zuge kam.

Der Sieger Hermann Färber jubelte eher verhalten. Das mag daran gelegen haben, dass der Landwirt aus Böhmenkirch trotz positiver Vorzeichen von dem klaren Abstimmungsergebnis überwältigt war. Und es hatte mit Höflichkeit zu tun. Färber weiß allerdings auch: Seine Bundestagskandidatur wird kein Spaziergang. Die Gräben in der Kreis-CDU sind tief. Auf die Partei kommt viel Arbeit zu. Der Erfolg wird davon abhängen, ob es der Kreisvorsitzenden Nicole Razavi gelingt, die Reihen wieder zu schließen. Und davon, ob es die CDU mit Hermann Färber schafft, auch in den Städten kräftig zu punkten und Wahlen zu gewinnen.