KOMMENTAR · BAUMWIPFELPFAD: Hier hilft nur ein Bürgerentscheid

THOMAS HEHN 19.04.2012

Baumwipfelpfad. Vor einigen Monaten wusste kaum einer etwas mit der kuriosen Wortschöpfung anzufangen. Inzwischen polarisiert der Begriff nicht nur die Wiesensteiger, sondern die Menschen im ganzen Landkreis.

Eine solche Attraktion hat "Leuchtturmcharakter" und bietet die einmalige Chance, nicht nur Wiesensteig, sondern auch dem lange vor sich hin dümpelnden Tourismus in der ganzen Region entscheidend auf die Sprünge zu helfen, sagen die einen. Das bringt uns nur lästigen Rummel und Verkehrschaos, sagen die anderen. Recht haben wohl beide Seiten: Dass Baumwipfelpfade ankommen beim Publikum, ist erwiesen: Hunderttausende von Besuchern im Jahr lassen da keine Zweifel.

Nun gilt es abzuwägen: Was will man, was nicht? Keine leichte Entscheidung, denn jeder Vorteil ist bei solchen Projekten immer auch mit Nachteilen verbunden: Wer Tourismus will, muss mit Verkehr rechnen. Dass der Verkehr das Hauptproblem sein wird bei einem Baumwipfelpfad in Wiesensteig, ist Gegnern wie Befürwortern klar. Leider geht man an diese und alle übrigen Fragen nicht mehr konstruktiv heran. Vor allem die Gegner des Projektes, die sich zwar ausdrücklich nur noch als "kritische Begleiter" bezeichnen, haben die Diskussion inzwischen derart mit Emotionen beladen, dass ein sachlicher Austausch von Argumenten kaum mehr möglich erscheint. Vor Ort wird berichtet, dass die erregte Debatte um den Wipfelpfad mittlerweile einen tiefen Graben quer durchs einst einträchtige Städtchen gerissen hat.

Diesen Graben wieder zuzuschütten, wird nur unter zwei Bedingungen möglich sein: Zum einen müssen die "Kritiker" den Befürwortern des Baumwipfelpfades auch die notwendige Zeit geben, um nach Lösungen für die Verkehrsprobleme zu suchen. Wenn diese Lösungsvorschläge dann vorliegen, müssen sie der Bevölkerung in geeigneter Form präsentiert werden.

Und dann müssen sich die Befürworter auch über Folgendes im Klaren sein: So schön die Aussichten von und mit einem Baumwipfelpfad auch sein mögen - eine Einsicht steht schon jetzt fest: Wenn wirklich wieder Ruhe im Städtchen einkehren soll, muss die endgültige Entscheidung auf möglichst breiter Basis fallen und das geht nur noch über einen Bürgerentscheid.

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