KOMMENTAR · BAUMFÄLLUNGEN: Unschöner Verdacht

DIRK HÜLSER 27.04.2012

Was war das jetzt? Holterdipolter hat die Stadt Ebersbach den Park an der Villa Scheuffelen platt gemacht. Niemand war über die Aktion zuvor informiert worden. Hat die Verwaltung einfach ihre gute Kinderstube vergessen und deshalb die Anwohner nicht benachrichtigt? Oder wurden die Motorsägen ganz bewusst klammheimlich angeworfen, um vorhersehbare Proteste gar nicht erst aufkommen zu lassen?

Natürlich ist die Argumentation aus dem Rathaus richtig, dass es Informationsveranstaltungen gab und das Thema der Neubebauung lang und breit im Gemeinderat diskutiert wurde. Immer wieder wurde dabei auch deutlich, dass die Anwohner alles andere als erfreut über den drohenden Verlust der alten Baumriesen sind. Doch genau deshalb hätte das Ankündigen der Arbeiten nicht geschadet. Nach den Vorgängen rund um Stuttgart 21 hätte der Verwaltung klar sein müssen, dass alte Bäume nun mal ein hochemotionales Thema sind. Und diese dann auch noch mitten in der Vegetationsperiode zu fällen, bringt ganz sicher auch keine Sympathiepunkte.

Es mag alles mit rechten Dingen zugegangen sein, die nötige Ausnahmegenehmigung lag vor. Doch es bleibt der unschöne Verdacht zurück, dass hier Fakten geschaffen werden sollten, bevor Protest aufkommt. Das ist schade - und ärgerlich. Transparente und bürgernahe Politik, wie sie allenthalben gefordert wird, sieht anders aus.