Göppingen Ein KOMMENTAR von Helge Thiele: Die neue Glaubensfrage

HELGE THIELE 07.08.2012
Reich gesegnet mit historischer Bausubstanz ist Göppingen nicht gerade, wobei es in der Stadt durchaus einige ansehnliche Gebäude gibt, die den Geist der Geschichte atmen.

Reich gesegnet mit historischer Bausubstanz ist Göppingen nicht gerade, wobei es in der Stadt durchaus einige ansehnliche Gebäude gibt, die den Geist der Geschichte atmen. Ob das sich in eher beklagenswertem Zustand befindliche Apostel-Hotel in der unteren Marktstraße zu dieser Kategorie gehört, darüber lässt sich streiten - was die Göppinger gerade auch fleißig tun.

Was ein wenig verwundert, ist allerdings der Umstand, dass sich jahrzehntelang kaum jemand für das Gebäude und seine Fassade interessiert hat. Jetzt, wo sich mit dem Unternehmen Nanz der Eigentümer der Immobilie anschickt, das Quartier neu zu gestalten und die Schmuddel-Ecken zu beseitigen, droht der Erhalt des Apostel-Hotels plötzlich zu einer Glaubensfrage zu werden. Natürlich wäre es wünschenswert, dass die Fassade Teil des Stadtbilds bleibt. Aber was, wenn sich am Ende alle Planer darin einig sind, dass ein Erhalt der gewünschten Öffnung des Areals zur Marktstraße hin im Wege stünde? Oder der Erhalt so teuer wäre, dass der Investor von seinem kompletten Projekt wieder Abstand nähme?

Die Antwort liegt auf der Hand: Dann bliebe auf viele Jahre hinaus alles, wie es ist. Die Pläne für die "Apostelhöfe" wanderten zurück in die Schublade. Darüber müssen sich jene im Klaren sein, die momentan - womöglich auch mit Blick auf den OB-Wahlkampf - mit den Füßen scharren, um die Zukunft des Apostel-Hotels zur Mutter aller stadtpolitischen Debatten zu machen.