Benefiz Kochlöffel schwingen für den guten Zweck

Göppingen / Lorena Maunz 16.01.2018
Schülerinnen der Hermann-Hesse-Realschule in Göppingen kämpfen um den Einzug ins Finale der Aktion „Let´s Cook“. Die Gewinner dürfen einen Galaabend bekochen. Der Erlös wird gespendet.

Die Schulküche der Hermann-Hesse-Realschule war vergangenen Montag von vielen verschiedenen Gerüchen erfüllt: duftender Bratapfel, würzige Tomatensauce und süße Pflaumen. Die Schüler der MuM-Klasse (MuM= Mensch und Umwelt) kochten im Rahmen der Aktion „Let’s Cook“ gegeneinander in der Erstausscheidung – am Ende des Projektes steht ein Gala-Abend für den guten Zweck.

Im Juni 2017 wurde das Projekt „Genuss ohne Grenzen“ von Tony Falconieri und der Initiative für Städte-Partnerschaften ins Leben gerufen. Begonnen hatte die Idee 2016 mit dem dreisprachigen Kochbuch „Grenzenlos genießen – wenn Partnerstädte kochen“ von Tony Falconieri, das Göppingen mit seinen vier Partnerstädten vereinen sollte. Die Rezepte im Kochbuch sind auf Italienisch, Französisch und Deutsch verfasst, die Abbildungen illustrieren die Partnerstädte. Die Idee zum Kochbuch kam aber von Falconieris verstorbenen Frau. Sie erkrankte an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Ihre Erkrankung gab den Anstoß zur Kochaktion. Nach ihrem Tod soll der Erlös aus der Aktion „Let’s Cook“, an deren Ende eine Benefizveranstaltung steht, der Erforschung der Krankheit zugutekommen. Mit den Rezepten aus „Grenzenlos genießen“ kreierten elf Schülerinnen der Hermann-Hesse-Realschule ein saisonales Menü und kämpften in Teams um den Einzug ins Finale und das Bekochen der Benefiz-Galaveranstaltung.

Die MuM-Klasse wurde in die Gruppe Grün mit sechs Schülerinnen und in die Gruppe Rot mit fünf Schülerinnen geteilt. Beide kochten drei beinah gleiche Gänge: Als Vorspeise gab es eine Karotten-Suppe mit selbstgebackenem Brot, der Hauptgang bestand aus Rouladen mit unterschiedlichen Beilagen und als Nachtisch wurden Windbeutel mit Bratapfel- und Pflaumenfüllung serviert. Alle Schüler packten an, es wurden Äpfel geschält, Knödel geformt und Kräuter gehackt. Die Stimmung, die seit 10 Uhr am Vormittag in den Kochnischen herrschte, war angespannt, aber keinesfalls feindselig. Alle zogen an einem Strang und hatten Spaß am Kochen. „Meine Schüler sind kreativ und ändern an allem ein wenig ab, zum Beispiel hat Gruppe Rot noch ein wenig Ingwer der Karotten-Suppe beigegeben“, erzählte Lehrerin Ilona Philipp, die gemeinsam mit Jürgen Schölch das Projekt betreute, stolz.

Tony Falconieri, Ilona Abel-Utz und einige Lehrer bewerteten neben dem Geschmack und der Konsistenz auch das Aussehen des Gerichts. Alle vergaben Punkte zwischen eins und zehn für jeden einzelnen Gang beider Gruppen. Die Schüler überraschten die Jury mit einem Drei-Gänge-Menü und ernteten dafür nie weniger als sieben Punkte. „Ich bedanke mich für das leckere Essen, beide Gruppen haben hervorragend gekocht“, lobte Ilona Abel-Utz vom Arbeitskreis Sonnenberg. Das Rennen ging knapp aus: Am Ende gewann die Gruppe Rot mit 193 zu 187 Punkten. Sie kommen nun eine Runde weiter und werden im April gegen die beiden Gewinnergruppen der Uhland-Realschule und der Schiller-Realschule antreten. Die Sieger werden am 9. Juli mit den Köchen Rolf Straubinger von Burg Staufeneck und Peter Manca von der WMF an einem Gala-Abend in der Stadthalle Göppingen kochen. Der Erlös aus der Benefizveranstaltung wird der ALS-Forschung gespendet.

Den Schülerinnen der Hermann-Hesse-Realschule hat das Projekt bisher sehr gefallen und sie weitergebracht, weiß Ilona Phillip. „Hier beim Kochen erhalten viele von ihnen die Anerkennung, die in anderen Fächern ausbleibt. Man sieht richtig wie sie dabei aufgehen.“, freute sich Ilona Philipp.

Weil die zwei Gruppen auf ein Ziel hinarbeiteten, entstand im Unterricht eine ganz neue Grundmotivation. „Man ist viel aufmerksamer im Unterricht und sieht jetzt, was man mit Lebensmitteln alles machen kann.“, erzählte die 17-jährige Tugba Koc aus Gruppe Grün. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, war aber auch anspruchsvoll“, berichtete Joelina Cansever aus der gegnerischen Gruppe Rot. „Ich fand es besonders cool, dass wir auch gelernt haben, wie man das Essen schön anrichtet, man hat sich manchmal gefühlt wie im Restaurant“, sagte die Schülerin.

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