Gesundheit Göppinger Klinik kämpft mit resistenten Keimen

Göppingen / Joa Schmid 20.02.2018
Rückschlag im  Kampf gegen multiresistente Keime: Seit Jahresanfang geht die Zahl der Infektionen an den Alb Fils Kliniken wieder nach oben.

Ob an der Göppinger Klinik am Eichert  wirklich zwei Todesfälle auf das Konto von multiresistenten Keimen gehen, ist unklar. Tatsache ist, dass sich die Neuinfektionen mit diesen Keimen wieder häufen und  im Januar eine langjährige Patientin in der Klinik gestorben ist, die mit dem sogenannten VRE-Keim  infiziert war.  Bei der Klärung der Todesursache hat die Göppinger Klinik jetzt externe fachärztliche Beratung hinzugezogen. Auch die Behörden wurden informiert. Ein weiterer Todesfall im März vergangenen Jahres  wird ebenfalls mit einem VRE-Keim in Verbindung gebracht.

Seit Anfang des Jahres sind in der Klinik am Eichert bei sieben Patienten Infektionen aufgetreten,  bei denen neben weiteren Keimen auch das multiresistente Darm-Bakterium  VRE nachgewiesen wurde. Vier Patienten waren schon mit dem Keim ins Krankenhaus gekommen. Seit zweieinhalb Jahren kämpfen die Alb Fils Kliniken  gegen die Häufung von Infektionen mit sogenannten Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE).

Enterokokken sind Bakterien und gehören zur normalen Darmflora von Mensch und Tier. Bei immungeschwächten Patienten können die VRE aber schwere, unter Umständen lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen, wie Dr. Martin Bommer, Chefarzt Hämatologie, Onkologie und Infektionskrankheiten bestätigt.

Seit Beginn des Ausbruchs Anfang 2016 sind in der Göppinger Klinik  47 Infektionen mit VRE-Beteiligungen gefunden worden.  Inzwischen hat die Stadt Göppingen auf Initiative des Gesundheitsamtes eine Verfügung erlassen, die konkrete Schritte zur Bekämpfung der Infektionsgefahr vorschreibt. Dazu gehört die Zusammenlegung aller Patienten, die VRE-Keime in sich tragen und  dass in diesem Bereich gesondertes Personal eingesetzt wird, berichtet der medizinische Geschäftsführer Ingo Hüttner. Zudem muss jeder Patient auf den Erreger getestet werden, bevor er aufgenommen wird. Nur für Notfälle gilt das nicht.  Sollten sich die hygienischen Bedingungen nicht verbessern, droht den  beiden Geschäftsführern Dr. Ingo Hüttner und Wolfgang Schmid ein Zwangsgeld von jeweils 50.000 Euro.

„Wir haben ein Problem mit diesen VRE-Erregern und dem Ausbruchsgeschehen“, bekannte Landrat Edgar Wolff am Montag bei einer Pressekonferenz, bei der die Klinik über das Problem informierte. Wolff ist gleichzeitig oberster Vorgesetzter des Gesundheitsamtes und Chef des Aufsichtsrats der Alb Fils Kliniken. „Bis zum 18. Dezember 2017 dachten wir, die VRE-Problematik gut im Griff zu haben“, berichtete der medizinische Geschäftsführer Ingo Hüttner, doch dann wurden wir mit einer Häufung von Neuinfektionen überrascht.“  Mittlerweile müssen sich alle Patienten, die stationär aufgenommen werden, einer Untersuchung nach multiresistenten Keimen unterziehen. Ein Screening und ein Abstrich  sind Pflicht.  Bisher waren solche Untersuchungen nur bei Risiko-Patienten, etwa mit einem geschwächten Immunsystem, Pflicht.  Patienten, bei denen ein VRE-Keim festgestellt wird, werden jetzt in einer internistischen und einer chirurgischen Station zusammengelegt und durch gesondertes Personal betreut. Diese Bereiche sind räumlich getrennt vom übrigen Teil der Bettenstationen, um eine Weiterverbreitung des Keims zu verhindern. Von den 628 Patienten der Klinik am Eichert sind 33 VRE-positiv, berichtete  der Ärztliche Direktor Professor Andreas Schuler. „Derzeit gibt es aber keine VRE-Infektion im Haus.“

Die Klinik stellte ein ganzes Bündel an Maßnahmen vor, mit denen sie in der Göppinger Klinik am Eichert und auch in der Geislinger Helfenstein Klinik gegen die Keime vorgeht. So wurde unter anderem das Pflegepersonal mit Detektoren ausgestattet, die anzeigen, wann die 30 Sekunden für eine wirkungsvolle Handdesinfektion vorüber sind.  In allen Zimmern hat die Klinik Handdesinfektionsspender angebracht. Um Angehörige und Besucher zu informieren, wurde ein Flyer gedruckt. Seit 2016 hat die Klinik zehn zusätzliche Reinigungskräfte eingestellt, die konkrete Anweisungen erhalten haben, wie zum Beispiel Toiletten zu reinigen sind.

Wo der Keim herkommt und ob die Quelle dafür in der Klinik liegt, nach Angaben von Hüttner unklar. In Kliniken kommt es immer wieder zum Befall mit VRE. Dem Landesgesundheitsamt ist jedoch kein weiterer Fall bekannt, in dem die Problematik so lange andauerte wie im „Haus am Eichert“, das zu den Alb Fils Kliniken gehört.

In Baden-Württemberg wurden seit 2016 neben dem VRE-Ausbruch in Göppingen nur zwei kleinere Häufungen von VRE-Fällen im Kreis Esslingen sowie einer im Schwarzwald-Baar-Kreis registriert.

Die Beiträge des SWR:

Gegen Infektionen helfen Reserve-Antibiotika

VRE ist die Abkürzung von Vancomycin-resistente Enterokokken. Enterokokken sind Bestandteil der normalen Darmflora. Einige Stämme weisen jedoch eine Resistenz (Unempfindlichkeit)  gegenüber dem wirksamen Antibiotikum Vancomycin auf.

Eine Besiedlung mit VRE-Keimen ist bei gesunden Menschen nicht gefährlich. Patienten im Krankenhaus sind jedoch aus vielerlei Gründen generell durch  Infektionen gefährdet.

Mit Reserve-Antibiotika lassen sich  Infektionen mit VRE-Keimen behandeln.

Info-Telefon für Patienten und Angehörige 07161-64-2481 (montags bis freitags 9 bis 16 Uhr)

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel