VRE-Keime Klinik-Hygiene auf dem Prüfstand

Das Gesundheitsamt hat eine Verfügung der Stadt veranlasst, die  konkrete Schritte  zur Bekämpfung der Infektionsgefahr durch VRE-Keime in der Klinik fordert.
Das Gesundheitsamt hat eine Verfügung der Stadt veranlasst, die  konkrete Schritte  zur Bekämpfung der Infektionsgefahr durch VRE-Keime in der Klinik fordert. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Joa Schmid 20.02.2018
Die Alb-Fils-Kliniken bleiben unter  Beobachtung. Das Göppinger Gesundheitsamt will in den nächsten Tagen prüfen, wie seine  Forderungen umgesetzt werden.

Ganz so harmonisch, wie es bei der Pressekonferenz am Montag den Anschein hatte, scheint das Verhältnis von Klinik-Leitung und Aufsichtsbehörde beim Thema multiresistente Keime doch nicht gewesen zu sein. Über den  tatsächlichen Bedarf an einschneidenden und grundsätzlichen Verbesserungen im Hygiene-Management der Klinik am Eichert war man sich offenbar nicht von Anfang an einig gewesen. Dies räumte der Leiter der Göppinger Gesundheitsamts, Dr. Heinz Pöhler, am Dienstag auf Nachfrage ein.

Offenbar hätte  sich Pöhler gewünscht, dass die Klinikleitung im Kampf gegen die sogenannten VRE-Keime einige Maßnahmen „zügiger und konsequenter“ umgesetzt hätte. Vor diesem Hintergrund hatte das Gesundheitsamt eine Verfügung der Stadt veranlasst, die  konkrete Schritte  zur Bekämpfung der Infektionsgefahr wie das Eingangsscreening und die Isolierung von infizierten Patienten vorschreibt.

Diese Schritte waren zwar schon vor dem Erlass der Verfügung am 8. Februar zwischen  Gesundheitsamt und Alb-Fils-Kliniken  vereinbart worden.  Eine  Kontrolle des Gesundheitsamtes hatte aber „Probleme bei der Umsetzung“ ergeben. Ob diese Schwierigkeiten mittlerweile beseitigt sind, soll sich in den nächsten Tagen herausstellen. „Das wird im Rahmen  einer Begehung geprüft“, kündigte Amtsleiter Pöhler an. Sollten sich die hygienischen Bedingungen nicht verbessern, droht den beiden Klinik-Geschäftsführern ein Zwangsgeld von jeweils 50.000 Euro.

Der Medizinische  Geschäftsführer Ingo Hüttner hatte bei der Pressekonferenz am Montag darauf hingewiesen, dass die Klinik am Eichert  im vergangenen Jahr durchaus Erfolge im Kampf gegen die Keime erzielt habe, ohne zu derart weitreichenden Maßnahme  greifen zu müssen. Gemeint waren die Zusammenlegung  aller Patienten, die VRE-Keime in sich tragen, und der Einsatz von gesondertem Personal in diesem Bereich der Klinik. Außerdem wird jetzt jeder Patient auf den Erreger getestet, bevor er in der Klinik stationär aufgenommen wird. Von dieser Regelung ausgenommen sind nur Notfälle.

Nach den Worten von Ingo Hüttner hat die Klinik am Eichert im vergangenen Jahr  alles in allem 650.000 Euro ausgegeben, um das Problem in den Griff zu bekommen. „Wir kennen keine andere Klinik in Deutschland, die so intensiv  nach den VRE-Erregern sucht“, betont der Medizinische Geschäftsführer.

In der Tat kämpft die Göppinger Klinik am Eichert seit Anfang des Jahres wieder verstärkt gegen Infektionen mit multiresistenten Keimen. Bei sieben Patienten sind Infektionen aufgetreten, bei denen auch das multiresistente Darm-Bakterium VRE nachgewiesen wurde. Im Januar ist eine Patientin in der Klinik gestorben, die mit dem VRE-Keim infiziert war. Ein weiterer Todesfall im März vergangenen Jahres wird ebenfalls mit einem VRE-Keim in Verbindung gebracht.

Keime sind für gesunde Menschen ungefährlich

VRE-Keime: Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) sind Bakterien und gehören zur normalen Darmflora von Mensch und Tier. Eine Besiedlung mit VRE-Keimen ist bei gesunden Menschen nicht gefährlich. Bei immungeschwächten Patienten können die VRE aber schwere, unter bestimmten Umständen lebensbedrohliche Erkrankungen hervorrufen.

Gegenmaßnahmen: Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen gehen die Alb-Fils-Kliniken an der Göppinger Klinik am Eichert und der Geislinger Helfenstein-Klinik gegen VRE-Keime vor. So wurde unter anderem das Pflegepersonal mit Detektoren ausgestattet, die anonymisiert anzeigen, wie es mit  der vorgeschriebenen Handdesinfektion umgeht.  In allen Zimmern hat die Klinik Handdesinfektionsspender angebracht.  Seit 2016 hat die Klinik zehn zusätzliche Reinigungskräfte eingestellt.

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