Kreis Göppingen Klinik-Defizit wird kleiner

Die „blühenden Landschaften“ vor dem Göppinger Klinikbau täuschen: Auch wenn der Fehlbetrag 2017 erneut gesunken ist, müssen die Alb-Fils-Kliniken noch einige Klimmzüge machen, um vielleicht 2019 die „Schwarze Null“ erreichen zu können.
Die „blühenden Landschaften“ vor dem Göppinger Klinikbau täuschen: Auch wenn der Fehlbetrag 2017 erneut gesunken ist, müssen die Alb-Fils-Kliniken noch einige Klimmzüge machen, um vielleicht 2019 die „Schwarze Null“ erreichen zu können. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Helge Thiele 17.07.2018
Die kreiseigenen Alb-Fils-Kliniken haben ihr Defizit im vergangenen Jahr weiter verringert. Das Minus betrug 1,2 Millionen Euro. 2016 waren es noch 2,6 Millionen.

Die Alb-Fils-Kliniken, zu denen die Göppinger Klinik am Eichert und die Helfenstein Klinik in Geislingen gehören, konnten ihre finanzielle Situation im den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessern. Wie aus dem jetzt vorgelegten Jahresabschluss für 2017 hervorgeht, betrug das Defizit 1,2 Millionen Euro. Damit konnte der Fehlbetrag im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte verringert werden und lag unter dem Ziel von minus 1,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2016 hatte das Minus 2,6 Millionen Euro betragen, 2015 lag es bei 2,8 und 2014 bei 3,7 Millionen.

Ob sich dieser positive Trend fortsetzen lässt, ist noch unklar. Trotz des erfolgreichen Jahres 2017 werde das Geschäftsjahr 2018 durch eine „Ergebnisdelle“ unter anderem aufgrund „eines merklichen Patientenrückgangs“ im ersten Halbjahr geprägt sein, betonte der Medizinische Geschäftsführer der Kliniken, Dr. Ingo Hüttner in einer Pressemitteilung. Der Patientenrückgang im laufenden Jahr sei unter anderem mit der Häufung der multiresistenten VRE-Keime zu begründen. Dieser Keim, so Hüttner, sei in der Regel zwar nicht krankmachend, „hat jedoch in der Bevölkerung zur Verunsicherung geführt“. Allein im vergangenen Jahr entstanden Mehrkosten von 600 000 Euro für verstärkte Hygiene-Maßnahmen wie das Eingangs-Screening, intensivierte Reinigungsmaßnahmen und bauliche Sanierungen. Der erhöhte Hygiene-Aufwand werde auch das Jahresergebnis 2018 deutlich beeinflussen, kündigte die Geschäftsführung an.

Landrat Edgar Wolff, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der kreiseigenen Kliniken ist, sieht die beiden Häuser angesichts des „sehr guten Jahresergebnisses“ von 2017, das am vergangenen Freitag auch im Kreistag vorgestellt wurde, auf einem „erfolgreichen Kurs der wirtschaftlichen und nachhaltigen Konsolidierung“. Allerdings ist Wolff überzeugt: „Um die Alb-Fils-Kliniken dauerhaft auf eine solide Basis zu stellen, sind weitere Anstrengungen nötig.“ Eine davon sei die Weiterentwicklung der Medizinstrategie, betonen die Kliniken in ihrer Pressemitteilung. Diese Strategie sei an den  Stärken der jeweiligen Standorte und Fachabteilungen ausgerichtet. Im Bereich der Plastisch-Ästhetischen Chirurgie etwa sei mit dem erfahrenen Facharzt Dr. Christian Kreutzer eine Lücke geschlossen worden. Weitere Beispiele seien der Ausbau des Leistungsspektrums in der Kardiologie und im Bereich der Endoprothetik in der orthopädischen Unfallchirurgie. Bei Endoprothesen handelt es sich um Implantate, die dauerhaft im Körper bleiben wie zum Beispiel künstliche Hüftgelenke.

Im vergangenen Jahr wurden in den Alb-Kliniken 36 410 Patienten behandelt – gegenüber 2016 war dies ein Zuwachs von rund 2000 Patienten. Weiter gestiegen ist 2017 an beiden Klinikstandorten die Zahl der ambulanten Patientenfälle – von 111 017 im Jahr 2016 auf 113 906. Mit 1687 Geburten verzeichneten die Alb-Fils-Kliniken einen neuen Höchststand und eine Steigerung um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz des Konsolidierungskurses sei die Personalstärke mit 1671 besetzten Vollzeitstellen (Vorjahr: 1673) „sehr stabil“ geblieben, teilt die Geschäftsführung mit. Insgesamt arbeiten mehr als 2300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den beiden Kliniken.

Das Investitionsvolumen der Kliniken-GmbH betrug im vergangenen Jahr 30,5 Millionen Euro – das waren rund 20 Millionen Euro mehr als 2016. Rund 25 Millionen davon wurden für das Neubauprojekt Klinik am Eichert in Göppingen inklusive Parkhaus, Kindertagesstätte und Personalwohnheim ausgegeben. Für den Neubau insgesamt werden rund 367 Millionen Euro investiert. Noch in diesem Jahr will das Land entscheiden, mit welcher Fördersumme es sich an den Neubaukosten beteiligt. Das Ergebnis wird mit Spannung erwartet.

Zahlen und Fakten zu den Alb-Fils-Kliniken

Struktur Die Alb-Fils-Kliniken GmbH ist eine Klinikgesellschaft mit zwei Akut­kliniken: der Klinik am Eichert in Göppingen (Zentralversorgung) sowie der Helfenstein-Klinik in Geislingen (Regelversorgung). Alleingesellschafter der 2007 gegründeten Gesellschaft ist der Landkreis Göppingen. Die Plan­bettenzahl blieb im Jahr 2017 unverändert bei 775 Betten. Die Alb-Fils-Kliniken GmbH ist Alleingesellschafter der im August 2012
gegründeten Alb-Fils-Kliniken Service GmbH. Zudem hält die Gesellschaft 50 Prozent der Anteile an den
Gesundheitszentren des Landkreises Göppingen GmbH. Die weiteren 50 Prozent hält die Kreis­baugesellschaft Filstal.

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